Heinz Schilcher

Professor Heinz Schilcher
Professor emer. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz Schilcher, langjähriges Kuratoriumsmitglied von FORUM ESSENZIA e.V., ist im Juni 2015 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.
Die Phytotherapie ist untrennbar mit dem Namen Heinz Schilcher verbunden. Sein Ziel als Pharmazeut war die Entwicklung von sicheren und kalkulierbaren Phytopharmaka für die Medizin. Mit seinen zahlreichen Publikationen und Lehrbüchern hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass die Phytotherapie in der wissenschaftlichen Medizin Anerkennung gefunden hat.
Von Jugend an widmete er sich den Pflanzen. Nach Studium und einigen Jahren in der Forschung war er von 1963 bis 1974 bei einem Arzneimittelhersteller tätig als Leiter der wissenschaftlichen Abteilung sowie als Herstellungs- und Kontrollleiter und entwickelte dort viele Phytopharmaka. Von 1973 bis 1977 lehrte er als Professor an der Universität Marburg, ging dann wieder zurück in die Industrie und arbeitete dort in der Produktion und Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel; von dort aus lehrte er an der Universität Tübingen. 1983 wurde er an das Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin berufen und war dort geschäftsführender Direktor der Abteilung Pharmazeutische Biologie bis zu seiner Emeritierung.
In seiner wissenschaftlichen Laufbahn war Schilcher Mitglied vieler Expertenkommissionen, z. B. der Sachverständigenkommission E und der Sachverständigenkommission für Traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Immer machte er sich dort für den Erhalt von Phytopharmaka als Arzneimittel stark. Seinen überaus aktiven Lebensabend verbrachte Heinz Schilcher im schönen Allgäu. Hier konnte er sich seiner Passion, den Heilpflanzen, mit viel Engagement widmen. Er setzte sich auch weiterhin für die wissenschaftlich fundierte Phytotherapie ein, etwa als langjähriges Mitglied der Gesellschaft für Phytotherapie und der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung. In den letzten Jahren war es ihm besonders wichtig, sein Wissen weiterzugeben an Pharmazeuten und Mediziner, aber auch an nichtakademische Kräuterexperten und Laien.
Sein Buch „Leitfaden der Phytotherapie“ – auch „Schilcher-Bibel“ genannt – bezeichnete er selbst als sein Lebenswerk. Bis zuletzt arbeitete er an der Neuauflage und setzte sich für den Erhalt des umfangreichen Leitfadens ein, der auch unter Aromatherapeuten als wichtiges Standardwerk gilt. Sicher wäre es ihm ein Anliegen, dass der Verlag dieses wichtige Buch in gleichem Umfang auch ohne ihn fortführen wird. Sein Wirken galt in hohem Maße auch den ÄtherischÖl-Pflanzen.
Gerne und zuverlässig beantwortete er als Kuratoriumsmitglied Fragen aus Vorstand oder Mitgliedschaft von FORUM ESSENZIA e. V. oder nahm an Kongressen und Diskussionen teil. Er fühlte sich nicht nur unter Wissenschaftlern wohl, sondern pflegte auch gerne Umgang mit den Anwenderinnen aus der Praxis wie Geburtshilfe, Pflege oder anderen medizinischen und sozialen Berufe. Für viele „Kräuterhexen“, wie er die Allgäuer Kräuterfrauen
nannte, war er ein streitbarer, aber immer aufgeschlossener und lehrreicher Diskussionspartner. Sein Anliegen war es stets, wissenschaftlich belegtes Wissen weiterzugeben; dabei hatte er immer ein offenes Ohr für die praktischen Erfahrungen mit neuen Anwendungen. Die fachgerechte Anwendung von ätherischen Ölen war ihm ebenso wichtig wie die Verwendung frischer Pflanzensäfte. Er war ein großer Befürworter der „neuen“ Wege in der Aromatherapie mit der äußerlichen Anwendung von Mischungen aus fetten und ätherischen Ölen und der Nutzung von Hydrolaten.
Bis kurz vor seinem Tod war er ein engagierter Referent, noch im hohen Alter gab er sein umfangreiches Fachwissen mit großer Leidenschaft weiter. Mit Professor Heinz Schilcher verlieren wir einen Brückenbauer zwischen wissenschaftlicher Phytotherapie und traditioneller Kräuterheilkunde.
Forum Essenzia ist ihm zu großem Dank verpflichtet.
Seine Werke und Worte werden weiterleben

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