Die Mischung macht’s
Der Geruchssinn gibt Forschern nach wie vor zahlreiche Rätsel auf. So könnte man meinen, dass es schwieriger sein müsste, komplexe, aus mehreren chemischen Stoffen zusammengesetzte Düfte zu erkennen als Einzelstoffe. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Wissenschaftler an der Universität Konstanz untersuchten im Rahmen eines internationalen Teams, wie Geruchsrezeptoren und Gehirnstrukturen auf Duftmischungen und einzelne Duftstoffe reagieren. Sie erstellten dafür zunächst ein mathematisches Modell für die Geruchsverarbeitung und überprüften dieses anhand des Geruchsverarbeitungssystems bei Fruchtfliegen und Honigbienen. Dabei stellte sich heraus, dass deren Geruchsrezeptoren komplexe Geruchsmischungen schneller, zuverlässiger und über einen weiteren Konzentrationsbereich erkennen können, als dies für Einzelgerüche möglich ist. Das macht aus evolutionärer Sicht Sinn, denn die meisten in der Natur vorkommenden Gerüche sind eine komplexe Mischung aus Einzelstoffen. Das Geruchsverarbeitungssystem ist daher nicht darauf ausgelegt, die Unterscheidung reiner Duftbestandteile durchzuführen. Es ist sinnvoll, dass der Geruchssinn gemischte Gerüche besser wahrnehmen kann, etwa bei der Nahrungssuche. Ähnlich ist es, wenn Tiere Duftmischungen als Kommunikationsmittel in Form von Pheromonen nutzen. Für sie ist es wichtig, dass sie diese chemischen Signale schnell und korrekt identifizieren, um die dazugehörige Nachricht zu entschlüsseln. Die neuen Erkenntnisse könnten die Forschung zum Geruchssinn, die sich bislang auf einzelne Stoffe konzentriert hat, grundlegend verändern. Sie erweitern nicht nur das Verständnis der Geruchsverarbeitung, sondern können eventuell auch auf Mechanismen der Informationsübertragung im Körper angewandt werden, z. B. auf die Erkennung von Chemikalien durch Zellen. Die Forscher wollen nun als Nächstes untersuchen, wie die Verarbeitung von Geruchsinformationen durch die Geruchsrezeptoren erfolgt, noch bevor das Gehirn diese Informationen verarbeitet und Gerüche voneinander unterscheiden hilft. Quelle: Universitat Konstanz, 2019

Was Hundenasen erschnüffeln
Was Hunde so alles erschnüffeln können, ist wirklich erstaunlich. Um eine ganz bestimmte Geruchsspur unter vielen anderen herauszufinden, müssen die Tiere jedoch erst darauf trainiert werden. Geruchsdifferenzierung nennt man das – und es gibt dafür einen eigenen Fachbegriff: Die „Odorologie“ beschäftigt sich damit, wie der Geruchssinn von Hunden für ganz bestimmte Aufgaben eingesetzt werden kann. Schon seit Jahrzehnten helfen speziell ausgebildete Suchhunde Polizei, Zollfahndern
und Rettungsdiensten, um Drogen, Sprengstoff und durch Lawinenunglücke und Erdbeben verschüttete Menschen aufzuspüren. Beim Mantrailing suchen speziell ausgebildete Polizeihunde mittels einer einmaligen Geruchsspur genau nach dem Menschen, zu dem diese passt. Mantrailer-Hunde werden darauf trainiert, die Fährte einer ganz bestimmten Person zu verfolgen. Leipziger Forscher konnten kürzlich nachweisen, dass Hunde sogar die DANN eines Menschen erriechen können: Neben Speichel diente ihnen isolierte DNA aus Blut, um eine individuelle Geruchsspur zu identifizieren. Die feine Nase von Hunden kommt immer öfter auch in anderen Bereichen zum Einsatz. So gibt es am Frankfurter Flughafen – als erstem in Europa – neuerdings Bettwanzen-Spürhunde. Die kleinen Blutsauger kommen im Gepäck Reisender vor allem aus Südamerika und Asien zu uns. Sie werden vor allem in Hotels immer mehr zum Problem. Kammerjäger arbeiten in Amerika schon länger mit ausgebildeten Bettwanzen-Spürhunden, und inzwischen werden diese Hunde auch bei uns eingesetzt. Auch im Umwelt- und Tierschutz helfen Hunde mit ihren feinen Nasen. Hier einige Beispiele: * Förster in Österreich und Deutschland gehen mit speziell dafür ausgebildeten Hunden auf Käfersuche, um den aus Asien eingeschleppten Laubholzbock ausfindig zu machen und frühzeitig bekämpfen zu können. Der Asiatische Laubholzbock ist einer der gefürchtetsten Laubholzschädlinge. * Ein Terrier spürt in Texas die Gelege der vom Aussterben bedrohten Atlantik-Bastardschildkröte auf. Wildhüter bringen die Eier in einen Brutkasten, wo sie besser geschützt sind und so mehr Tiere überleben als beim Schlüpfen am Strand. * In den USA erschnüffeln sogenannte Artenschutzhunde den Kot von Grizzlybären und helfen so dabei, den Bestand der Tiere zu überwachen. Ein ähnliches Projekt mit Artenschutzhunden gibt es in Sambia, wo die Hunde darauf trainiert sind, den Kot von Geparden zu erschnüffeln. Ein besonders kurioser Fall ist die siebenjährige Schafpudel-Dame Arwen aus Berlin. Sie wurde von ihrer Besitzerin, einer Berliner Hundetrainerin, zum Ambrosia-Suchhund ausgebildet. Ambrosia ist eine Pflanze, die heftige allergische Reaktionen auslösen kann. Das bei uns ursprünglich nicht heimische Kraut wurde vermutlich mit Getreide und Vogelfutter aus den USA eingeschleppt und verbreitet sich nun immer mehr. Arwens Suchnase hilft dabei, die Ausbreitung der Pflanze einzudämmen. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Odorologie, idw, 2019

Der Duft des Westpakets
„Der Geruch von Kaffee, Orangen, Seife, Schokolade, der einem beim Öffnen des Pakets entgegenschlug!“ So lautet häufig die Antwort ehemaliger DDR-Bürger, wenn man sie danach fragt, was ihnen zu einem Gegenstand einfällt, den es heute nur noch als schöne Erinnerung gibt: das Westpaket. Jährlich rund 25 Millionen Pakete mit begehrten, weil im Osten schwer erhältlichen und für den Westen typischen Produkten gingen zwischen 1949 und 1989 per Post auf die Reise über die innerdeutsche Grenze. Der Duft des Westpakets war für die DDR-Bürger einmal so etwas wie der „Duft der großen weiten Welt“, die ihnen verwehrt blieb. Denn in den Westen zu reisen war den meisten Menschen nicht erlaubt. Mit dem Fall der Mauer und der deutschen Einheit vor 30 Jahren sind die Westpakete verschwunden. In ihrem Dokumentarfilm „Der Duft des Westpakets“ begeben sich die Regisseurinnen Maja Stieghorst und Brit-Jeannette Grundel auf eine spannende olfaktorische Reise in die Vergangenheit. Sie nähern sich dem „Phänomen Westpaket“, indem sie Menschen aus dem Osten erzählen lassen, wie die Westpakete damals gerochen haben. Jedes dieser Pakete brachte für die Empfänger unverkennbare und bis heute unvergessliche Düfte. Passend dazu zitieren die beiden Filmemacherinnen den sogenannten „Proust-Effekt“ mit dem Satz: „Ein kleiner duftender Lufthauch genügt, um den Menschen in jahrzehntealte Erinnerungen zurückzuversetzen.“ Der französische Schriftsteller Marcel Proust hatte in seinem berühmten Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ das Phänomen beschrieben, dass Gerüche ganz spontan Erinnerungen und dazugehörige Emotionen auslösen können. Der 2018 fertiggestellte Film zum „Erinnern, Erfahren, Erleben und Riechen“ läuft vor allem in ostdeutschen Kinos. Während der Vorführung wird dezent ein Westpaket-Duft versprüht, den ein Dresdner Parfümeur eigens dafür entwickelt hat. Auch im August-Horch-Museum in Zwickau liegt Westpaket-Duft in der Luft. Er ist für die Ausstellung „Alltag in der DDR“ von dem Zwickauer Jens Reißmann kreiert worden. Der Duftentwickler verwendete einen Aromamix aus acht verschiedenen Gerüchen, unter denen neben Kaffee und Schokolade auch Kaugummi und ein bestimmter Weichspülerduft sein mussten – so rochen seinen Erinnerungen an die Pakete aus dem Westen. Und ein findiger Thüringer bietet „Westpaket-Duft“ sogar als Saunaaufguss und Duschmittel an – für DDR-Nostalgiker, die sich in der Sauna an alte Zeiten erinnern möchten. Quelle: DDR-Museums-Blog, MDR, 2019

„Doping“ mit Kaffeeduft
Kaffee gilt als klassischer „Wachmacher“. Das darin enthaltene Koffein wirkt anregend und kann die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit steigern. In einem Experiment fanden Forscher nun heraus, dass allein schon der Duft von Kaffee eine ähnliche Wirkung haben kann – ganz ohne dass man tatsächlich Koffein zu sich nimmt. Dazu ließen die Forscher am Stevens Institute of Technology in Hoboken, USA, 100 Studenten der Wirtschaftswissenschaft einen zehnteiligen Algebra-Test am Computer durchführen. Die eine Hälfte der Probanden saß dabei in einem Raum, in dem Kaffeeduft in der Luft lag. Diese schnitten bei Mathe-Aufgaben deutlich besser ab als ihre Kommilitonen, die in einem Raum mit neutraler Luft arbeiteten. Die Forscher sehen darin einen klassischen Placebo-Effekt des Kaffeedufts. Sie hatten die Studenten davor auch zu verschiedenen Düften und ihrer potenziellen Wirkung auf die Leistung befragt. Die meisten von ihnen waren der Meinung, dass sich Kaffee im Allgemeinen positiv auf ihre geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. Durch ihre Erwartungshaltung habe der Kaffeegeruch alleine einen ähnlichen Effekt erzeugt wie eine tatsächlich getrunkene Tasse mit dem duftenden Gebräu. Quelle: Journal of Environmental Psychology, 2018

Der „Louche“-Effekt
Im Französischen gibt es für Spirituosen mit Anisaroma den Oberbegriff „Anisée“, was so viel bedeutet wie „mit Anis angereichert“. Dazu gehören nicht nur der französische Pastis, auch Absinth (neben Anis, Fenchel und weiteren Kräutern vor allem mit Wermut hergestellt), der griechische Ouzo oder der türkische Raki. Sie alle haben eines gemeinsam: Gießt man Wasser hinzu, verfärbt sich der „Klare“ im Glas plötzlich milchig-weiß. Verantwortlich dafür sind die ätherischen Öle, die im Anis enthalten sind. Anis (Pimpinella anisum), eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütler, enthält viel Anethol, das mit 90 Prozent der Hauptbestandteil seines ätherischen Öls ist. Das Anethol ist in Alkohol gut, aber in Wasser wie alle ätherischen Öle nur sehr schlecht löslich. Bei Wasserzugabe bilden die winzigen Öltröpfchen eine Öl-in-Wasser -Emulsion – das ist der Grund für die schlagartige Eintrübung der Flüssigkeit im Glas. Dieser so genannte „Louche“-Effekt (frz: zwielichtig, undurchsichtig) ist auch ein wichtiges Kriterium zur Qualitätsbeurteilung: Je trüber die Flüssigkeit im Glas bei Wasserzugabe wird, umso höher ist der Anisgehalt im Ouzo. Quelle: Schwabe Phyto-Extrakt, Ausg. 107, 2018

Bio-Pestizid aus ätherischen Ölen
Heuschrecken-Schwärme, eine der biblischen Plagen, sind in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern immer noch gefürchtet. Durch den Klimawandel werden sie auch für die amerikanische und europäische Landwirtschaft in naher Zukunft zur Bedrohung. Ein Grazer Zoologe hat kürzlich eine Mischung aus unterschiedlichen öligen Pflanzenextrakten als Bio-Pestizid gegen Wanderheuschrecken weltweit zum Patent angemeldet. Es besteht im Wesentlichen aus ätherischen Ölen aus Leinsamen, Kümmel, Wintergrün und Orangenschalen. „Die Zutaten dieses Bio-Pestizids können in einem Reformhaus gekauft werden“, erklärte der Zoologe Dr. Manfred Hartbauer, der das Mittel zusammen mit der ägyptischen Studentin Zainab Abdelatti am Institut für Biologie der Universität Graz entwickelt hat. Hartbauer ist Wissenschaftler mit dem Fachgebiet Orthopterologie, das heißt Heuschreckenkunde. Im Unterschied zu herkömmlichen Insektiziden, die auch für andere Tiere und Pflanzen giftig sind, das gesamte Ökosystem gefährden und sich auch im menschlichen Körper anreichern können, scheint das Bio-Pestizid für die Umwelt harmlos zu sein. Die Ölmischung wirkt spezifisch auf das Nervensystem der Heuschrecken und legt es lahm. So wird die Motorik der Tiere und ihre Futteraufnahme sofort gestoppt, die Schadinsekten verenden innerhalb von 24 Stunden. „Interessanterweise ist unser Pestizid gegenüber Mehlkäfern harmlos, was eine spezifische Wirkung des Bio-Pestizids anzeigt“, erklärte der Zoologe. Auch für Bienen sei es ungefährlich. Die Ölemulsion werde am Abend und nachts aufgesprüht. Nebenwirkungen für die Pflanzen könnten durch eine Waschlösung vermieden werden. Die Waschlösung muss nach spätestens 24 Stunden ausgebracht werden, auch sie sei ungiftig und baue sich selbstständig ab, so der Forscher. Ein weiterer Vorteil des Bio-Pestizids sind die geringen Herstellungskosten. So wird es auch für Bauern in armen Ländern aus dem afrikanischen und asiatischen Raum erschwinglich. Getestet wurde die Substanz bisher nur im Labor, Freilandversuche sollen folgen. Quelle: Karl-Franzens-Universität Graz, 2018

„Liebespfad“ im Botanischen Garten
Welche Bedeutung haben Pfl anzen für unser Liebesleben? Als erstes denkt man da natürlich an den Strauß roter Rosen, der nicht nur zum Valentinstag gerne als Zeichen der Liebe überreicht wird. Doch Pfl anzen haben noch viel mehr Einfluss auf das menschliche Liebesleben. Das zeigt der neu eröff nete „Liebespfad“ im Botanischen Garten der Universität Leipzig. Entlang von 17 Stationen ist hier viel Interessantes über die vielfältigen Einfl üsse von Pfl anzen und pfl anzlichen Inhaltsstoff en zu erfahren: in der Partnerwerbung ebenso wie auf die Fruchtbarkeit und Libido von Mann und Frau, auf Schwangerschaft, Geburt oder Stillen ebenso wie zur Verhütung. Da sind zunächst einmal die vielen Pfl anzendüfte, die von der Parfümindustrie als Duftstoff e genutzt werden. Denn wir verlassen
uns nicht allein auf unsere eigenen Pheromone, um anziehend auf mögliche Sexualpartner zu wirken. Wir helfen gerne mit angenehmen Pfl anzendüften nach, um die Nase des Partners zu gewinnen. Von den Pfl anzen werden die intensiv duftenden ätherischen Öle eigentlich als Abwehr gegen Fressfeinde produziert. Sie kommen gehäuft in den Familien der Lippenblütler, Korbblütler, Ölbaumgewächse, Rosengewächse oder bei ursprünglichen Bedecktsamern (Magnolien, Zimt) vor, so ist aus einer Broschüre zum „Liebespfad“ zu erfaherfahren. Die Parfümindustrie nutzt kommerziell allein über 120 verschiedene ätherische Öle pfl anzlicher Herkunft und profi tiert so massiv von der pfl anzlichen Biodiversität. Dann geht es natürlich auch um die – vermeintlich oder tatsächlich – aphrodisierende Wirkung von Pfl anzen. Die Vielfalt der Aphrodisiaka ist recht groß und reicht von Gewürzen wie Muskatnuss und Zimt über Genussmittel wie Kaff ee, Kakao und Tee bis hin zu Drogen wie Kokain und den Pejotl-Kaktus. Aber auch ganz „normale“ Lebensmittel wie Ananas, Kokosnuss und Spargel sollen angeblich die Lust steigern können. Die meisten Stationen des Liebespfads befi nden sich auf dem Außengelände des Botanischen Gartens, wo der Eintritt kostenlos ist. Die Stationen in den Gewächshäusern sind nur gegen vier Euro Eintritt zugänglich. Eine Broschüre, die am Eingang zu den Gewächshäusern erhältlich ist, bietet zusätzliche Anekdoten und Informationen zum Thema. Quelle: Universität Leipzig, 2018

Duftausstellung im Altenheim
In einem Altenheim in der New Yorker Bronx gibt es eine ganz spezielle Ausstellung. Auf einer Wand sind sechs Bilder aufgedruckt: Ein Baseball-Handschuh, eine Rasenfläche, ein Hot Dog, eine Tüte Popcorn, ein Bier und eine Cola sind darauf zu sehen – und unter jedem Bild ist ein Knöpfchen zum Drücken angebracht. Drückt man etwa auf den Knopf unter dem Baseball-Handschuh, strömt ein ledriger Duft aus der Wand, der sofort an einen solchen Handschuh denken lässt. „Scents of the Game“ nennt sich die Ausstellung, die den Bewohnern des Altenheims angenehme Erinnerungen verschaffen will. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Institute for International Flavors and Fragrances (IFF) entwickelt. Mithilfe von Bildern und Gerüchen versetzt sie die alten, oft dementen Menschen in ein Baseball-Stadium. Früher waren sie vielleicht eingefleischte Baseball-Fans und bei jedem Spiel ihrer Lieblingsmannschaft live dabei. Heute sind sie nicht nur nicht mehr rüstig genug, um in ein Stadion zu gehen – sie können sich aufgrund ihrer Demenzerkrankung auch kaum noch daran erinnern. Die Duftausstellung macht sich Forschungsergebnisse der Sinnestherapie zunutze, in der Düfte gezielt eingesetzt werden, um bei neurodegenerativ Erkrankten positive Erinnerungen zu wecken. Düfte können auch bei diesen wie eine Art Zeitreise funktionieren, die sie für einen Moment in frühere, glückliche Zeiten zurückversetzt, in denen sie den Duft ursprünglich
einmal gerochen haben. Quelle: FAZ net vom 23 08 2018

„Antilopen-Parfüm“ wehrt Fliegen ab
Die Tse-Tse-Fliege ist in Afrika weit verbreitet. Sie überträgt die gefürchtete Schlafkrankheit – nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Rinder. Der Schaden für die afrikanische Landwirtschaft ist beträchtlich, er beträgt nach Schätzungen rund 4,6 Milliarden US-Dollar jährlich. In einem zweijährigen Feldversuch ist es in Kenia gelungen, die Ausbreitung der Krankheit in Viehherden mithilfe eines Duftstoffs zu verhindern. Um Wasserböcke, eine afrikanische Antilopenart, macht die Tse-Tse-Fliege einen weiten Bogen. Den Geruch dieser Tiere finden die Blutsauger offenbar abstoßend. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat den individuellen Abwehrduft der Wasserböcke isoliert, ihn im Labor analysiert und synthetisch nachgebildet. Mit diesem „Antilopen-Parfüm“ wurden Halsbänder für die Rinder imprägniert. So konnten die Forscher die Tse-Tse-Fliege erfolgreich austricksen: Wie beim berühmten Wolf im Schafspelz wurden die Tierchen durch das „Antilopen-Parfüm“ getäuscht. Der Wasserbockgeruch reduzierte die Erkrankungsraten in den Rinderherden um mehr als 80 %! Für das Experiment hatten 120 Massai-Hirten mehr als 1.100 ihrer Rinder zur Verfügung gestellt. Die mit den schützenden Halsbändern ausgestatteten Tiere waren im Vergleich zu ungeschützten Rindern allgemein gesünder, schwerer, gaben mehr Milch, konnten mehr Land pflügen und erzielten auf den regionalen Märkten höhere Verkaufserlöse. Das trug zu einer deutlichen Verbesserung der Ernährungssicherheit und des Haushaltseinkommens in den Hirtenfamilien bei. Im Vergleich zu den sonst eingesetzten Tiermedikamenten erwiesen sich die Halsbänder als deutlich kostengünstiger und wirtschaftlicher und stießen bei den Massai auf große Akzeptanz. Rund 99% der Hirten möchten die Halsbänder auch in Zukunft gerne nutzen. Quelle: Universität Bonn, 2018

Lernfähige Stechmücken
Insekten sind ja allgemein Meister im Riechen. Stechmücken etwa können nicht nur Menschen anhand ihres individuellen Geruchs unterscheiden; sie merken sich auch, wenn ihr Opfer nach ihnen schlägt und sie nur knapp verfehlt. In dieser Hinsicht sind die Tierchen äußerst lernfähig: Sie meiden in Zukunft die Person, die ihnen nach dem Leben getrachtet hat. Das hat ein Forscherteam um den Biologen Jeffrey Riffell von der University of Washington in einem Experiment herausgefunden. Sie verwendeten dafür Stechmücken der Art Aedes aegypti. Den erfolglosen Schlag mit der Hand simulierten die Forscher durch einen starken Luftwirbel, der die Mücken heftig durchrüttelte und erschreckte. Diese unangenehme Erfahrung kombinierten sie im Versuchslabor mit den Gerüchen bestimmter Menschen. Einen Tag danach überprüften sie den Lernerfolg bei den Blutsaugern. Dazu setzten sie jeweils eine Mücke in ein Olfaktometer – eine luftdurchströmte Röhre, die sich y-förmig verzweigt. Dann beobachteten sie, ob das Insekt zur Quelle des Körpergeruchs oder in die andere Richtung flog, aus der kein Geruch drang. Während „untrainierte“ Tiere von dem Körpergeruch angelockt wurden, wählten die Mücken, die das unangenehme Lerntraining absolviert hatten, bevorzugt die andere Abzweigung. Der Effekt war vergleichbar mit dem eines Mückenschutzmittels und hielt mehrere Tage lang an. Wer sich wehrt, lebt also nicht verkehrt – selbst wenn die Attacke nicht schnell genug erfolgt, um den sirrenden Quälgeist zu treffen. Im Zweifelsfall wird die Mücke, die eine solche Attacke überlebt hat, die Nähe der für sie „gefährlich“ riechenden Person meiden und sich lieber ein anderes Opfer suchen. Quelle: Current Biology/spektrum.de, 2018

Die Bibliothek der Gerüche
Es soll Menschen geben, die sich gerne in Bibliotheken und Buchläden aufhalten, nicht nur weil sie Bücher gerne lesen, sondern sie auch gerne riechen! Die japanische Künstlerin Hisako Inoue gehört zu dieser Sorte von Bibliophilen. Einer der Schwerpunkte ihrer künstlerischen Arbeit in den letzten Jahren waren Workshops und interaktive Ausstellungen, die sich mit Gerüchen und Erinnerungen befassen. Während eines Gastaufenthalts in München ist sie in Antiquariaten und Privatwohnungen mithilfe ihrer Nase auf Büchersuche gegangen. Nicht der Inhalt oder das Genre eines Buches interessierten sie, sondern allein sein Geruch. An einer alten deutschen Schulausgabe von Homers Ilias etwa, noch in Frakturschrift, vermeinte sie den „Geruch von Mentholbonbons und jugendlichem Schweiß“ zu entdecken, der noch an den vergilbten Seiten hing. Den Duft dieses und einiger weiterer alter Bücher ließ sie in ihrer japanischen Heimat analysieren. Aus den Büchern konnten 18 chemische Geruchsbestandteile isoliert werden, darunter Linalool, Thymol, Bornanon (Kampfer), Patchouli-Alkohol, Vanillin, Eukalyptol und Essigsäure. So entstand im Herbst 2017 die Ausstellung „Die Bibliothek der Gerüche“ in den Historischen Räumen der Villa Stuck in München. Sie konnte von den Besuchern buchstäblich erschnuppert werden. Die von der Künstlerin ausgewählten Bücher warteten unter Glasglocken darauf, in die Hand genommen zu werden, um die Nase hineinzustecken. Die aus den Büchern isolierten Geruchskomponenten wurden zusätzlich einzeln in kleinen Glasfläschchen präsentiert, an denen die Besucher ebenfalls schnuppern konnten. In Netzwerkdiagrammen hatte die Künstlerin den Geruch der ausgewählten Bücher auch visuell dargestellt. Die Homer-Ausgabe etwa war im Diagramm irgendwo zwischen „ranzig-fischig, sauer, würzig, rauchig und modrig“ verortet. Ein Reclambüchlein von 1957 mit Henrik Ibsens „Peer Gynt“, dessen Geruch den Titel „Süßer schwarzer Tee“ trug, wurde von ihr als „vanillig, süß, minzig und erdig“ duftend beschrieben. Der Geruch eines Buches ist nicht nur von der Druckerschwärze und Papierart geprägt. Er enthält auch Duftspuren der Menschen, die es zum Lesen in die Hand genommen haben. In Zeiten von Digitalisierung und E-Books gewinnen solche Gerüche fast schon einen nostalgischen Wert. 2018

Schwarzkümmelöl schreckt Zecken ab
Durch einen Zufall entdeckte der Gymnasiast Alexander Betz aus Regensburg vor zwei Jahren, dass Schwarzkümmelöl (Sigella nativa) einen Körpergeruch verursacht, der Zecken abschreckt. Sein Hund bekam seit einiger Zeit Schwarzkümmelöl gegen eine Allergie ins Futter gemischt. Beim Spazierengehen mit dem Labrador fiel dem Schüler auf, dass dieser keine Zecken mehr heimbrachte. Das war bis dahin regelmäßig der Fall gewesen. Alexander Betz vermutete einen Zusammenhang und beschloss, dem nachzugehen. Er startete eine Versuchsreihe: zunächst zog er ein schweißgetränktes Handtuch durch eine Wiese und fing damit 30 Zecken ein: seine Versuchstiere. Er setzte sie in ein selbstgebautes, y-förmiges Versuchsgefäß und führte mehrere Versuche mit Schweiß und Schweineblut durch, das zum Teil mit Schwarzkümmelöl versetzt war. Die Zecken bewegten sich stets in die Richtung, in der sich Präparate befanden, die nicht mit dem Öl angereichert waren. „Sobald jedoch Blut oder Schweiß mit Schwarzkümmelöl versetzt waren, mieden die Zecken das Präparat“, so der Schüler, „und zwar auch bei sehr geringen Ölmengen“. Mit seinen Versuchen qualifizierte sich Alexander Betz für den Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“, dem wichtigsten Nachwuchsforscher-Wettbewerb in Deutschland. Quelle: Jugend forscht Bayern, Wacker Chemie, 2017

Geruchsverlust beeinflusst das Gewicht
Der Geruchssinn von Mäusen ist nicht immer gleich: Wenn sie Hunger haben, reagiert ihre Nase empfindlicher, was für die Nahrungssuche hilfreich ist. Sind sie satt, ist der Geruchssinn schwächer. Doch was passiert, wenn die Nase komplett „ausgeschaltet“ ist? Dieser Frage gingen Wissenschaftler um Andrew Dillin aus Berkeley/Kalifornien nach und schalteten die Geruchsorgane von Mäusen in einem
Experiment künstlich aus. Dabei konnten die Forscher Erstaunliches feststellen: Ohne Geruchssinn verloren die Tiere Körperfett und nahmen deutlich ab. Das lag nicht etwa an mangelndem Appetit – was die naheliegendste Erklärung wäre: Ohne Geruchssinn schmeckt‘s nicht so gut, darum essen auch Mäuse dann automatisch weniger. Doch die Tiere verloren etwa 16 Prozent ihres Körpergewichts, auch wenn sie eine besonders kalorienreiche Kost erhielte und genauso viel davon futterten wie eine Vergleichsgruppe von Mäusen, die normal riechen konnte. Es scheint vielmehr am veränderten Grundumsatz zu liegen. Der Geruchssinn steuert offenbar auch den Energiehaushalt mit. Für diese Vermutung spricht auch, dass Mäuse, die besonders gut riechen können, schneller fettleibig werden als normale Mäuse. Das fand ein Team um Jens Brüning am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln heraus. Sie hatten zeitgleich mit den amerikanischen Kollegen Versuche mit Mäusen durchgeführt, die über einen besonders guten Geruchssinn verfügten. Die Mäuse, die nichts mehr riechen konnten, bauten Fettdepots ab, indem sie mehr Kalorien im „braunen Fettgewebe“ verbrannten. Alle Säugetiere – und auch der Mensch – haben zwei Arten von Fettgewebe: Weißes Speicherfett, das als isolierende Schicht unter der Haut liegt und die Organe im Bauchraum umgibt. Und das sogenannte braune Fett, in das Mitochondrien eingelagert sind, die Energie verbrauchen und in Wärme umwandeln. Diese innere Heizung nutzen die Tiere bei Kälte oder in Stresssituationen. Und offensichtlich auch, wenn sie nichts mehr riechen. Die Tiere ohne Geruchssinn wiesen zudem eine erhöhte Konzentration von Adrenalin im Blut auf. Auch das aktiviert die Verbrennung von Fett im Körper. Noch unklar ist, warum der Ausfall des Riechvermögens zu dieser erhöhten Fettverbrennung führt. Die Nahrungsaufnahme wird vom Hypothalamus im Gehirn mitgesteuert. Andrew Dillin vermutet, dass auch der Geruchssinn mit dem Hypothalamus kommuniziert und sein Ausfall die Steuerung durcheinanderbringt: „Weil sie nichts riechen, glauben die Tiere die ganze Zeit, dass sie gerade gegessen haben und es Zeit ist, die Kalorien zu verbrennen.“ Wer nichts riecht, bleibt schlank? Ob dies auch beim Menschen der Fall ist, müssen die Wissenschaftler erst noch herausfinden. Wenn ja, könnte das zu neuen Behandlungsmöglichkeiten für übergewichtige Patienten führen. Das vorübergehende Ausschalten des Geruchssinns könnte den Stoffwechsel von Fettablagerung auf Fettverbrennung umstellen und bewirken, dass Übergewichtige einfacher und effektiver abnehmen können. Quelle: Cell Metabolism (Volume 26, Issue 1, p198–211.e5), 5. Juli 2017

Wie riecht die Zukunft?
Wie riecht die Zukunft: eher wie Grapefruit, wie Rosenblüten, wie Leder oder wie Heu?„ Mit dieser ungewöhnlichen Fragestellung haben Soziologen in einer Studie versucht, das Lebensgefühl der Deutschen zu ermitteln. Sie wurde vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Sozialforschungsinstitut infas im Auftrag der Wochenzeitung „Die Zeit„ durchgeführt. Die Idee dahinter: Werden Fragen nicht nur verbal formuliert, sondern mit Sinnesreizen wie etwa Gerüchen verbunden, fallen die Antworten intuitiver aus. Sie verraten dann auch solche Meinungen und Haltungen der rund 3000 Tes per onen nter nd rem au h an vi r ausg wählten eruch proben s hnu pern wäh end sie die ragen der Int rvie er bean worteten. Di Umfrage erhi lt den Tite „Verm cht is- tudie„ we l mit ihr a ch ermittelt we rde sollte was di Me sche in Deutschland aus ih em L ben an ie k nftigen G nerati nen wei erebe wollen u d as nicht, u d w lche Zukun t ie ür ihr La d erwarten. azu wurden m hr als 300 De tsche wis hen Jul und Ok obe 20 5 i fas zweistün igen Interv ews u T eme wie Ern hrung, G sund eit Liebe Ber fs eben und Bildung b fragt. Zu er Idee, e ne ruppe von ragen nich nur ve bal zu form lie en, son ern sie it Sin esrei en w e Ger che zu ver inden er lärte ut a Allmending r, Präs den in es WZB und L ite in der St di : „Daraus rgeben ich E nblicke, die s bei einer herkömmlichen Befragung nicht gegeben hätte. Die Sinneseindrücke haben die Menschen in eine andere Stimmung versetzt, ihre Antworten intuitiver gemacht.„ So ließen sich ihre Zukunftserwartungen, Ängste und Hoffnungen besser ermitteln und verstehen. Ein Kriterium bei der Auswahl der Geruchsproben für die Studie war: Sie sollten sich deutlich voneinander unterscheiden und möglichst unterschiedliche Assoziationen wecken. Die Wahl fiel schließlich auf die Düfte Grapefruit, Leder, Rose und Heu. Die vier Riechproben riefen in den Interviews sehr unterschiedliche Reaktionen und Antworten hervor. Die Mehrheit wünschte sich etwa, die Zukunft solle für sie nach Rosen- oder Zitrusduft riechen. Die Befragten verbanden mit diesen Düften Begriffe wie Natur, Frische, Freiheit, gute Laune oder Ruhe. Doch auf die Frage, welcher Geruch für sie wohl am besten die Zukunft charakterisiere, die uns vermutlich erwarte, entschieden sich die meisten für die „etwas beißende„, herbe Leder-Riechprobe. Die Befragten dachten dabei an Chemie, Umweltschäden, Altwerden, Aggressionen. Der Heugeruch wurde als eher neutral empfunden und mit Alter, Sachlichkeit und Strenge assoziiert. Quelle: Zeit Wissen 2/2016

Erlebnis für die Nase: das Abtswinder Kräuter-und Gewürzmuseum
In dem kleinen unterfränkischen Ort Abtswind im Landkreis Kitzingen gibt es ein ungewöhnliches Privatmuseum: In einer über 450 Jahre alten umgebauten Scheune befindet sich auf 1400 Quadratmetern und vier Stockwerken das nach Museumsangaben „größte private Gewürzmuseum der Welt„. Es hat nicht nur für die Augen, sondern auch für die Nase viele Überraschungen zu bieten. Der Gang durch die Räume des Museums ist ein Erlebnis für die Sinne – und vor allem für den Geruchssinn. In mehr als 20 verschiedenen Themenräumen können die Besucher eintauchen in Kaffee- und Teedüfte und die Welt der Gewürze von A wie Anis bis Z wie Zimt. Jede Menge Kräuter liegen in Fühl- und Riechkästen zum Anfassen und Beschnuppern bereit. Das Herzstück des Museums aber ist eine Sammlung von über 13 000 Teepackungen aus aller Welt, die Museumsbesitzer Norbert Kaulfuss zu einer Art „Teebeutel-Tropfsteinhöhle„ verarbeitet hat. Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Museum – sehen, riechen, schmecken„ leitet die Besucher von der Ausfahrt Wiesentheid der nahen Autobahn A3 zu dem kleinen Erlebnismuseum. Manchmal soll man das Museum sogar von der Autobahn aus riechen können, wenn man dort zwischen Würzburg und Nürnberg unterwegs ist. Die Duftwolken kommen genauer von den Abfüllanlagen des benachbarten Kräuter- und Gewürz-Vertriebs der Familie Kaulfuss. Der Vater des Besitzers, Horst Kaulfuss, gründete in den 1950er-Jahren in dem kleinen Dorf mit nur 800 Einwohnern einen Kräuter- und Gewürzhandel. Sein Sohn reiste schon früh rund um den Globus, vor allem in den Nahen Osten, nach Afrika und Asien, überall dorthin, wo die Rohstoffe für Tee und Gewürze angebaut und gesammelt werden. Als gelernter Maschinenbauer verkaufte er in diese Länder unter anderem Teebeutel-Verpackungsmaschinen. Und als leidenschaftlicher Sammler brachte er von seinen Reisen nicht nur Teebeutel-packungen mit, sondern auch so manche Kuriositäten, die heute in seinem Museum zu bewundern sind. So zeigt es auch kuriose Werkzeuge und Gefäße aus allen Teilen der Welt – wie etwa eine umfangreiche Samowar-Sammlung – und informiert ausführlich über Herkunft, Geschichte, Eigenschaften und Wirkung der einzelnen Gewürze. Im Jahr 2003 begann das private Museumsprojekt mit gerade einmal zwei Räumen; seitdem kam jedes Jahr mindestens ein weiterer Ausstellungsraum hinzu. An das Museum angeschlossen sind ein Werksverkauf-Laden für Tee, Kräuter und Gewürze und ein Café. Geöffnet ist es wochentags von März bis November. Quellen: BR-Reportage „Rasten statt rasen„, Main-Echo-Zeitung

Schwangerschaft verändert die Geruchswahrnehmung
In der Schwangerschaft verändert sich auch die Wahrnehmung von Gerüchen und Geschmäckern. Das ist nicht nur beim Menschen so, sondern auch bei Säugetieren und sogar bei Insekten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried bei München haben das Phänomen anhand von Fruchtfliegen genauer erforscht. Die Martinsrieder Neurobiologen stellten fest, dass Fruchtfliegenweibchen nach der Paarung Nahrung mit einem höheren Polyamin-Anteil bevorzugen. Polyamine sind Nährstoffe, die der Körper zum Teil selbst bzw. mithilfe von Darmbakterien herstellen kann. Ein Teil der benötigten Polyamine muss jedoch über die Nahrung aufgenommen werden. Mit fortschreitendem Alter wird die Aufnahme von Polyaminen mit der Nahrung immer wichtiger, weil die körpereigene Produktion zurückgeht. Polyamine spielen in unzähligen Zellprozessen eine Rolle, sodass sich eine Polyamin- Unterversorgung negativ auf die Gesundheit, auf kognitive Fähigkeiten, Fortpflanzung und Lebenserwartung auswirken kann. Doch auch zu viele Polyamine können schädlich sein. Die Polyamin-Aufnahme muss daher an die aktuellen Bedürfnisse des Körpers angepasst sein. Die Untersuchungen ergaben, dass die veränderte Anziehungskraft von Polyaminen auf Fliegen vor und nach der Paarung durch einen bestimmten Neuropeptid-Rezeptor, den sogenannten Sex-Peptid-Rezeptor (SPR) ausgelöst wird. Die Forscher konnten zeigen, dass die Konzentration des Rezeptors in den Sinnesorganen von Fliegenweibchen nach der Befruchtung ansteigt. Dadurch wird der Geschmack und Geruch von Polyaminen im Gehirn anders verarbeitet: Befruchtete Fliegenweibchen entscheiden sich dann für polyaminreichere Nahrung. „Es war bekannt, dass der SPR die Eiproduktion in verpaarten Fliegen ankurbelt„, erklärte Ashiq Hussain, einer der beiden Erstautoren der Studie. „Dass der SPR auch die Aktivität der Nervenzellen reguliert, die den Geschmack und Geruch von Polyaminen erkennen, hat uns überrascht.„ In trächtigen Weibchen werden deutlich mehr SPR-Rezeptoren in die Oberflächen ihrer chemosensorischen Ner-venzellen eingebaut. Polyamine werden so bereits sehr früh in der Verarbeitungskette von Gerüchen und Ge-schmäckern verstärkt wahrgenommen. Da Geruch und Geschmack in Insekten und Säugetieren ähnlich verarbeitet werden, könnte ein entsprechender Mechanismus auch bei uns Menschen dafür sorgen, dass das heranwachsende Leben optimal versorgt ist, vermuten die Martinsrieder Neuro-biologen. Quelle: Max-Planck-Institut für Neurobiologie Martinsried , 2016

Das Aroma-Geheimnis von Milbenkäse
Der „Würchwitzer Milbenkäse„ gilt unter Feinschmeckern als Delikatesse, er ist einer der teuersten Käse Deutschlands. Er besitzt, vergleichbar einem Harzer Käse, einen kräftigen Geruch, entfaltet aber beim Verzehr zugleich ein ungewöhnliches Zitrus-Aroma. Woher dieser fruchtige Geschmack kommt, war bislang unbekannt und durch die zugesetzten Gewürze nicht wirklich zu erklären. Jetzt haben sich zwei Biologen der TU Darmstadt der Käsespezialität angenommen und untersucht, wie sein Aroma-Bouquet entsteht. Wenn Milben einen Käse befallen, gilt er normalerweise als verdorben. Nicht so beim „Würchwitzer Milbenkäse„: Er wird bei der Herstellung absichtlich mit Tausenden der winzigen Käsemilben (Tyroglyphus casei) versetzt und in Holzkisten gepackt. Die Milben, deren Enzyme für die Reifung verantwortlich sind, leben mehrere Monate auf dem Käse. Die Herstellung von Käse mithilfe von Milben war in Deutschland schon im Mittelalter bekannt. Die Rezepte wurden ebenso wie die Milbenzucht auf dem Land von Generation zu Generation weitervererbt. Der Arzt und Parasitenforscher Frie-drich Küchenmeister schrieb 1881: „Bekanntlich wird die Käsemilbe in manchen Gegenden Deutschlands von Landwirten förmlich (in sogenannten Milbenkisten) gezüchtet, um den Milbenkäse, der wegen seines zitronensäuerlichen Geschmackes von Gourmands geliebt wird, herstellen zu können.„ Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch geriet der Milbenkäse beinahe völlig in Vergessenheit. Heute wird er nur noch in dem kleinen Dörfchen Würchwitz in Sachsen-Anhalt hergestellt. Die Organisation „Slow Food„ hat den Milbenkäse als besonders schützenswert in ihre „Arche des Geschmacks„ aufgenommen. Käsemilben zeichnen sich, neben ihrer Vorliebe für Käse, dadurch aus, dass sie sich ihre Feinde mit einem abschreckenden Wehrsekret vom Leib halten. In ebendiesem Sekret fanden die Dortmunder Forscher unter anderem Neral, eine der Hauptkomponenten des Zitronenöls. Der fruchtige Charakter des Käses begründet sich also nicht durch die eigentliche Herstellung, sondern erklärt sich vielmehr durch eine Abwehrreaktion der Milben beim Schneiden und Zerkauen der Delikatesse. Für das volle Aroma des Milbenkäses sind die Milben also unverzichtbar. Neben dem deutschen Milbenkäse gibt es noch den französischen Mimolette, welcher ebenfalls mithilfe von Käsemilben reift. Auch bei diesem fanden die Forscher Neral und konnten die zitronenartige Geschmacksnote somit den Käsemilben zuschreiben. Milbenkäse soll übrigens nicht nur gut schmecken, sondern auch positive Auswirkungen auf den Verdauungstrakt und die Darmflora haben und gegen Allergien wirken. Quelle: TU Darmstadt, Milbenkäse-Museum Würchwitz , 2016

Riechzellen aus der Nase heilen Querschnittsgelähmten
Riechzellen aus der Nase, ins Rückenmark verpflanzt, haben den querschnittsgelähmten Polen Darek Fidyka vom Rollstuhl befreit. Er war seit 2010 nach einem Messerangriff, bei dem das Rückenmark durchtrennt worden war, von der Brust abwärts gelähmt, berichtete der britische Neurochirurg Geoffrey Raisman. Dieser hatte die Operation zusammen mit einem internationalen Forscherteam durchgeführt. Nun habe der Patient wieder Gefühl in den Beinen, könne mit Stützen gehen und sogar Auto fahren. Raisman und sein Team haben für die Operation die sogenannten „olfaktorischen Hüllzellen„ verwendet. Sie umhüllen den Riechnerv, der von der Nase direkt ins Gehirn führt. Diese geheimnisvollen Zellen aus der Nase faszinieren Forscher schon länger. Sie sind in der Lage dafür zu sorgen, dass sich die Nervenbahn nach Beschädigungen wieder regeneriert. Genau das können die Nerven im Rückenmark eines Querschnittsgelähmten nicht. Die Zellen aus der Nase aber können, ins Rückenmark verpflanzt, auch dort Wachstumsstoffe produzieren und eine Art „Brücke„ aufbauen, an der entlang sich neues Nervengewebe bilden kann und die zerstörten Nervenfasern wieder zusammenwachsen. Um an die olfaktorischen Hüllzellen zu gelangen, wurde Fidyka zunächst einer der beiden Geruchsnerven (Bulbus olfactorius) entfernt. Dieser auch als Riechkolben bezeichnete Nerv ist eigentlich ein vorgestülpter Teil des Gehirns. Er wurde für zwei Wochen in Zellkultur gehalten, um möglichst viele olfaktorische Hüllzellen zu produzieren. Diese wurden dann über und unter der Verletzung ins Rückenmark gespritzt. Zusätzlich entnahm das Forscherteam noch Nervenbahnen aus dem Fußgelenk, die als Gerüst dienten. Das Konstrukt bildete so eine Brücke, auf der die Rückenmarksnerven mit Hilfe der olfaktorischen Hüllzellen zusammenwachsen konnten. Damit wurde die Lücke im verletzten Rückenmark geschlossen und die Kommunikation zwischen dem Gehirn und den Beinen wiederhergestellt. Fidyka ist der erste Querschnittsgelähmte, der mit dieser Methode in Europa erfolgreich behandelt wurde. Ob sie auch bei anderen Querschnittsgelähmten erfolgreich sein kann, muss sich noch zeigen. Der Patient hatte sich für die Operation besonders gut geeignet, da der Schnitt durch sein Rückenmark glatt gewesen war. Seit etwa 20 Jahren studieren europäische und US-Forscher das regenerative Potenzial der Riechzellen, die meisten bisher allerdings nur im Tierversuch. Der chinesische Neurochirurg Huang Hongyun behandelt bereits seit mehreren Jahren Querschnittsgelähmte mit Riechzellen, die er allerdings abgetriebenen Föten entnimmt – eine Methode, die von seinen westlichen Kollegen abgelehnt wird. Quelle: Journal of Cell Transplantation 10/2014

Vom Händeschütteln und Beschnuppern
Hundebesitzer kennen das: Wie viele andere Säugetiere pflegen sich auch Hunde gegenseitig zur Begrüßung ausführlich zu beschnuppern. Duftsignale spielen im Tierreich eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Bei uns Menschen gilt der Geruchssinn in diesem Bereich als weitgehend verkümmert. Wir haben ja auch eine ausdrucksreiche Gestik, Mimik und Sprache, um sozial miteinander zu kommunizieren.Wir Menschen haben Begrüßungsrituale, in denen der Geruchssinn kaum eine Rolle zu spielen scheint. Zwar kommen wir uns bei manchen körperlich durchaus sehr nahe, wie beim sich Umarmen oder dem Hauchen von Küsschen auf die Wangen. Und bei den traditionellen Begrüßungsgesten der Inuit sowie der neuseeländischen Maori, bei denen Stirn und Nasen aneinander gelegt bzw. gerieben werden, mag es sich auch um eine Art gegenseitiges Beschnuppern handeln. Aber beim Händedruck?Israelische Forscher haben bei einem „Handshake“-Experiment erstaunliche Beobachtungen gemacht. Einander die Hand zu geben ist die wohl verbreitetste Begrüßungsgeste zwischen fremden Menschen. Auch darin könnte ein Überrest vom ursprünglichen gegenseitigen Beschnuppern enthalten sein, vermuteten der Neurobiologe Idan Frumin vom Weizmann Institute of Science und seine Kollegen. Darum testeten sie zunächst, ob ein Händedruck überhaupt ausreichend Geruchsstoffe übertragen kann: Während sie Studienteilnehmern die Hand schüttelten, trugen die Wissenschaftler Handschuhe. Darauf fanden sie anschließend tatsächlich eine ganze Reihe chemischer Duftstoffe, wie sie auch bei anderen Säugetieren der Kommunikation dienen.Dann folgte das eigentliche Experiment: Die Forscher begrüßten rund 280 Freiwillige entweder mit Händeschütteln oder ohne. Die Begegnungen zeichneten sie mit versteckten Kameras auf. Es zeigte sich, dass die Probanden nach dem Händeschütteln deutlich häufiger an ihren Händen rochen als die Kontrollgruppe. Dies geschah vor allem in nicht bewusst ausgeführten, unauffälligen Gesten wie an der Nase kratzen, sich die Augen reiben oder über die Wangen streichen. Um sicher zu gehen, dass es sich bei den beobachteten Gesten tatsächlich um eine Geruchsprobe handelt und nicht etwa um eine nervöse Reaktion, prüften die Wissenschaftler auch den Luftstrom in der Nase der Probanden – mit deutlichem Ergebnis: Die Menge der eingeatmeten Luft verdoppelte sich, sobald die Teilnehmer ihre Hand ans Gesicht führten. Sie schnupperten also wirklich daran.Schüttelten die Probanden die Hand einer Person desselben Geschlechts, schnupperten sie länger und mehr als doppelt so häufig an ihrer eigenen geschüttelten Hand. Dagegen prüften sie nach einem Händedruck mit dem anderen Geschlecht seltsamerweise eher ihre andere Hand. Eine Erklärung dafür haben die Forscher nicht. Unbewusst wahrgenommene chemische Duftsignale scheinen demnach nicht nur bei der Partnerwahl eine Rolle zu spielen, wie bislang angenommen, sondern auch zur Einschätzung von Vertretern des eigenen Geschlechts. Quelle: Weizmann Institute of Science

Fruchtfliegen riechen Gesundes indirekt
Ist, was gut riecht, auch gesund? Umgekehrt gilt auf jeden Fall: Bei verdorbenen Nahrungsmitteln warnt uns oft ihr unangenehmer oder fauliger Geruch. Und bei Experimenten mit Fruchtfliegen haben Forscher jetzt herausgefunden, dass diese Insekten sich von einem Duft anlocken lassen, der indirekt auf für sie und ihren Nachwuchs wichtige und gesunde Inhaltsstoffe in Früchten hinweist.
Antioxidantien sind natürliche Nahrungsinhaltsstoffe, die Körperzellen vor gefährlichen Einflüssen schützen. Sie verhindern insbesondere die Entstehung zu vieler freier Radikaler, zumeist Sauerstoffverbindungen, und somit eine Stoffwechsellage, die als „oxidativer Stress“ bezeichnet wird. Leidet ein Organismus unter oxidativem Stress, können freie Radikale seine Zellen angreifen und die Krankheitsanfälligkeit erhöhen. Zu den wichtigsten natürlichen Antioxidantien in der Nahrung gehören Hydroxyzimtsäuren. Sie sind vor allem in Früchten zu finden, also dort, wo Fruchtfliegen ihre Eier abzulegen pflegen. In Fruchtfliegen entsteht oxidativer Stress beispielsweise, wenn sie auf Giftstoffe durch schädliche Mikroorganismen in der Nahrung reagieren müssen.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und der Universität Lund in Schweden haben an Essigfliegen (Drosophila melanogaster) untersucht, wie Fruchtfliegen die Anwesenheit von Hydroxyzimtsäuren aufspüren: Sie können diese Schutzstoffe zwar nicht direkt riechen, stattdessen aber Ethylphenole, flüchtige Substanzen, die als Abbauprodukte daraus entstehen. Diese flüchtigen Substanzen aktivieren gezielt Geruchsneuronen, die sich auf den Mundwerkzeugen der Fruchtfliegen befinden. Die Wahrnehmung der Duftsignale wirkt sich direkt auf das Verhalten der Fliegen aus: Sie werden von dem Ethylphenol-Duft angelockt, nehmen vermehrt Nahrung auf und legen dort ihre Eier ab, wo die Ethylphenole die Anwesenheit gesunder Antioxidantien anzeigen.
Auch bei uns Menschen könnte es ähnliche Formen stellvertretender Duftwahrnehmung geben, vermuten die Forscher, indem als angenehm empfundene Düfte von Lebensmitteln uns indirekt Hinweise auf deren gesunde Inhaltstoffe geben: „Beim Menschen sind Düfte, die als angenehm oder lecker wahrgenommen werden, in der Tat oft wertvolle Hinweise auf gesunde oder gar lebensnotwendige Nahrungsinhaltstoffe, wie zum Beispiel essenzielle Aminosäuren, Fettsäuren und Vitamine“, erläutert Marcus Stensmyr, der die Untersuchungen in Jena geleitet hat und jetzt an der Universität Lund forscht. Quelle: Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena

Die Sache mit dem Maiglöckchenduft
„Sex sells“ – auch das sogenannte „Maiglöckchen-Phänomen“ verdankt seine Popularität zumindest zum Teil dieser Tatsache. Mit seinem Buch „Das Maiglöckchen-Phänomen“ brachte der Bochumer Riechforscher Hanns Hatt einem breiten Publikum die Bedeutung des Geruchssinns bei Mensch und Tier nahe (ein Auszug erschien in F·O·R·U·M 34, S. 27–28). Dafür erhielt er 2010 den Communicator-
Preis der Deutschen Foschungsgemeinschaft (vgl. F·O·R·U·M 35, S. 44). Menschliche Spermien reagieren auf einen chemischen Stoff namens Bourgeonal, der an den Duft von Maiglöckchen erinnert. Das fand Prof. Hanns Hatt mit Kollegen 2003 in Laborversuchen heraus. Das „Maiglöckchen-Phänomen“ war geboren: Die Eizelle verströmt eine Art Maiglöckchen-Aroma, mit dem sie die Spermien anlockt, lautete die Hypothese. Die romantische Vorstellung, Spermien würden den Verlockungen von Maiglöckchenduft folgen und so ihren Weg zur Eizelle finden, faszinierte und geistert seither durch die Medien. Aber ähnlich wie beim Versuch, die menschliche Fortpflanzung „etwas einfacher“ mit Hilfe der Geschichte von den Bienen und Blumen zu erklären, ist die Sache auch hier in Wahrheit komplizierter. Wissenschaftler am Bonner Forschungszentrum caesar (Center of Advanced European Studies and Research) haben jetzt „das Ende des Maiglöckchen-Phänomens“ verkündet: In Wirklichkeit würden die Spermien von dem Hormon Progesteron angelockt. Auf den synthetischen Duftstoff Bourgeonal reagierten sie ähnlich wie auf das Progesteron – im Laborversuch. Was jedoch nicht heißen muss, dass die Spermien tatsächlich „riechen“ können und Duftstoffe eine Rolle bei der Befruchtung im Eileiter des weiblichen Körpers spielen. Rezeptoren, die auf Duftstoffe ansprechen,
gibt es nicht nur in der Nase, sondern auch in vielen anderen Körperzellen. Man hat sie in den Spermien gefunden, aber auch in Nerven- und sogar in Prostatakrebszellen. Welche Aufgabe sie dort haben und was sie genau bewirken, bleibt weiterhin ein aufregendes Forschungsfeld
für Wissenschaftler wie Hans Hatt und seine Kollegen. Quellen: Laborjournal 9/12; Pressemitteilung des Forschungszentrums caesar vom 24.02.12

Weihrauch als Arzneimittel: Pharmazeuten klären entzündungshemmende Wirkung
Das Harz des Weihrauchbaums gehörte zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland, und seit der Antike wird sein aromatischer Duft in religiösen Zeremonien verwendet. Die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren machen es aber auch für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant. Davon ist Prof. Oliver Werz von der Universität Jena überzeugt. Im Rahmen eines Verbundprojekts sind Werz und sein Team dem Wirkmechanismus der Boswelliasäuren auf der Spur. Dabei konnten die Forscher zeigen, an welcher Stelle sie in das Entzündungsgeschehen eingreifen. Die Boswelliasäuren interagieren mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist. Das Prostaglandin E2 spielt u. a. bei Entzündungen im Körper und der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, erklärt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Therapie von Entzündungserkrankungen denkbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten als Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin.
In ihrer aktuellen Studie haben die Forscher auch das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen. Am verbreitetsten ist der indische Weihrauch Boswellia serrata. Er wird in der ayurvedischen Medizin schon seit Jahrtausenden eingesetzt. Jedoch ist das Harz von Boswellia papyrifera, das vorwiegend in Äthiopien, Somalia und auf der arabischen Halbinsel vorkommt, „um den Faktor zehn wirksamer“, so Prof. Werz. Bisher gibt es in Deutschland noch kein zugelassenes Medikament mit den Weihrauchwirkstoffen. Ob Weihrauch als Arzneimittel eine
Zukunft hat, hängt jedoch nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Prüfungen ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, macht Werz deutlich. Damit sind die Bäume die einzige Ressource für den Wirkstoff. Allerdings sind die Weihrauchbäume insgesamt in ihrem Bestand stark bedroht. Ohne nachhaltigen Schutz gingen der Medizin die vielversprechenden Wirkstoffe verloren. Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena/idw

Vom falschen Duft verführt
Shampoos, Badezusätze, Putzmittel, Weichspüler, Toilettenpapier oder Katzenstreu: Zahlreiche Produkte, die wir täglich verwenden, enthalten Duftstoffe. Diese chemisch hergestellten Duftstoffe gelangen vor allem über das Abwasser in die Umwelt. Und auch wenn sie nicht direkt giftig sind, können Spuren solcher chemischen Stoffe dort für Lebewesen gefährlich werden, vermutet Ursula Klaschka, Professorin für umweltverträgliche Produktion und umweltorientierte Unternehmensführung. Denn fast die gesamte Tierwelt – allen voran Insekten – kommuniziert auch über Gerüche. Die tierischen Duftmoleküle werden auch als „Infochemikalien“ bezeichnet. Sie setzen sich aus einer Vielzahl chemischer Verbindungen zusammen. Mit Hilfe ihres „Duftgeflüsters“ teilen sich Tiere zum Beispiel mit, wer Freund und wer Feind ist, wo sie Nahrung finden oder wann sie sich fortpflanzen müssen. Das tierische Duftgeflüster überdeckende, synthetische Infochemikalien könnten da wie Falschinforma- tionen wirken. Und wenn die „falschen Düfte“ dazu führen, dass Sexualpartner oder Nahrungsquellen nicht mehr gefunden werden, kann es das Überleben einer ganzen Art gefährden. Wie sich die Duftstoffe aus Parfums, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln auf die Kommunikation und das Leben von Tieren und Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung auswirken, ist bisher jedoch noch kaum erforscht. Die Ulmer Professorin ist eine der wenigen, die sich in Deutschland mit diesem neuen Zweig der Ökotoxikologie befassen. In der Fachzeitschrift „Nachrichten aus der Chemie“ forderte sie kürzlich, der Eintrag dieser Chemikalien in die Umwelt sollte „so gering wie möglich gehalten werden, gerade weil man bei den meisten Stoffen die umfassenden Wirkungen noch nicht kennt“.
Nachrichten aus der Chemie, 59, Juni 2011

Entdeckungstour für die Nase
Die größte Duftausstellung Europas mit dem schönen Namen “Himmlische Düfte und Höllengestank” wurde auch im Sommer 2011 zu einem Publikumsrenner. Im Jahr zuvor hatte die Schau rund 300 000 Besucher in den Botanischen Garten von Schloss Trauttmansdorff in Meran gelockt. Nun war sie als Wanderaus- stellung im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum zu Gast. An über 50 Stationen gab es Düfte zu erschnüffeln. Mehr als 30 000 begeisterte Besucher haben in Bochum ihre Nasen in die Exponate gesteckt, Einblicke in die Parfum-Herstellung gewonnen und Interessantes aus der Duftforschung erfahren. Mit initiiert wurde die Ausstellung von dem Bochumer Geruchsforscher Prof. Hans Hatt. Anhand von acht Düften, die „unser Leben beeinflussen“, präsentierte er im Tropenhaus Ergebnisse der aktuellen Riechforschung. Wussten Sie zum Beispiel, dass Orangenduft nicht nur gute Laune macht und entspannend wirkt, sondern auch für angenehme Träume sorgen kann? Das ergaben Studien im Schlaflabor am Institut des Professors. Ferner fanden die Forscher einen Riechrezeptor, der in der Nase für die Wahrnehmung von Veilchenduft zuständig ist, auch in Prostata-Krebszellen. Als sie menschliches Krebsgewebe im Labor mit Veilchenaroma „bedufteten“, konnten sie feststellen, dass der Veilchenduft das Wachstum der Krebszellen stoppte. Diese Erkenntnis lässt sich vielleicht einmal für die Krebstherapie nutzen.
Eine andere Studie dürfte vor allem Frauen interessieren: Pampelmusenduft verjüngt in den Augen – oder besser gesagt Nasen – von Männern! Der Geruchsforscher Dr. Alan Hirsch aus Chicago testete verschiedene Düfte an Frauen und ließ Männer daraufhin ihr Alter schätzen. Frauen mit dem Duft von rosa Pampelmusen erschienen ihnen bis zu sechs Jahre jünger, als sie tatsächlich waren. Dieser Effekt beruht vermutlich auf Erfahrung: Der fruchtige Duft wird gerne in Parfums von jungen Mädchen benutzt. Weil Männer ihn bei diesen öfter wahrnehmen, verknüpfen sie den Duft mit dem Bild einer jungen Frau. Und wenn ältere Frauen diesen Duft tragen, werden sie automatisch jünger geschätzt.
Ruhr-Universität Bochum, 2011

Riechen und Schmerz - durch dasselbe Gen gesteuert
Der menschliche Geruchssinn gibt noch viele Rätsel auf. Auch die Gene, die ihn steuern, sind bisher so gut wie unbekannt. Wissenschaftler der Uni Saarland haben nun gemeinsam mit ausländischen Kollegen ein Gen identifiziert, das für die Nervenübertragung von Gerüchen ins Gehirn verantwortlich ist. Das erstaunliche dabei: Dieses Gen sorgt nicht nur dafür, dass wir Düfte wahrnehmen können, sondern auch Schmerzen. Menschen, bei denen es nicht funktioniert, fehlen diese beiden wichtigen Sinnesem- pfindungen. Seit 2006 sorgen Studien über das fehlende Schmerzempfinden bei einer bestimmten Gruppe von Patienten in der Fachwelt für Aufsehen. Diese Patienten empfinden zum Beispiel keine Schmerzen bei einem Knochenbruch. Die Wissenschaftler vermuteten als Grund eine genetische Veränderung. Tatsächlich konnte ein Gen identifiziert werden, das für das fehlende Schmerzempfinden verantwortlich ist. Es trägt die Bezeichnung SCN9A. Bei einer Mutation dieses Gens kann ein bestimmter Natrium-Ionenkanal vom Körper nicht hergestellt und in die Zellmembran schmerzempfindlicher Nervenzellen eingebaut werden. Die Folge ist, dass von diesen Nerven keine elektrischen Reize ins Gehirn weitergeleitet werden und deshalb im Gehirn kein Schmerzempfinden ausgelöst wird. Dieser Natrium-Kanal ist auch in den olfaktorischen Sinneszellen der Nase besonders häufig vorhanden. „Wir haben uns gefragt, ob derselbe Natrium-Ionenkanal auch für die Funktion der Nervenzellen im Riechsystem wichtig sein könnte“, erläuterte der Leiter der Studie, Professor Frank Zufall vom Institut für Physiologie der Universität des Saarlandes, das Vorgehen der Forscher. Dazu wurde das Gen in den Riechsinneszellen von Mäusen ausgeschaltet. Tatsächlich zeigten diese Mäuse, genau wie die Patienten mit einem veränderten SCN9A-Gen, einen völligen Ausfall ihres Geruchssystems. Ein Zustand, der als „generelle Anosmie“ bezeichnet wird. „Vielleicht gibt es ja auch Patienten mit angeborener Taubheit oder Blindheit, die gleichzeitig nicht riechen können“, vermutet Professor Zufall. Er will deshalb nach Genmutationen suchen, die zu solchen Defekten führen – und hofft, so weitere Gene zu entschlüsseln, die für das Riechen verantwortlich sind.
Informationsdienst Wissenschaft, Universität des Saarlandes, 03.11

Duftöl-Mikrokamseln warnen vor Rissen in Bauteilen
Mit einer „dufte(nden) Idee“ sind Fraunhofer-Forscher zu Preisträgern im bundesdeutschen Wettbe- werb „365 Orte im Land der Ideen“ 2011 geworden. Sie entwickelten ein Verfahren, das Gerüche ausströmen lässt, sobald sich in Kunststoff-Bauteilen Risse bilden. Verantwortlich für den Geruch ist ein in 10 bis 50 Mikrometer kleinen Kapseln eingeschlossenes Duftöl. Das Projekt mit dem Namen „Geruchsinduziertes Erkennen kritischer Risse“ startete ein Team am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg, gemeinsam mit dem Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen. Das Forscherteam arbeitete die Mikrokapseln als Zusatz in eine Polypropylenmasse ein. Diese Masse kann anschließend im Spritzgussverfahren zum endgültigen Bauteil verformt werden. Bei Schäden an diesem Bauteil brechen die Kapseln auf und setzen den Duftstoff frei. Auch feinste Risse an Kunststoff-Bauteilen lassen sich so frühzeitig „erschnuppern“ – zum Beispiel in defekten Kunststoffrohren für die Wasser- und Gasversorgung, Waschmaschinen-Schläuchen, Bau-, Motorradoder Fahrradhelmen. Künftig werden sich also Radler Helme kaufen können, die zu riechen anfangen, wenn sie beschädigt sind.
Informationsdienst Wissenschaft (idw), Fraunhofer-Gesellschaft, 2011

Australier entwickelt Anti-Stress-Spray
Den Duft von frisch geschnittenem Gras haben australische Forscher als wirksames Anti-Stress-Mittel identifiziert und in Flaschen abgefüllt. Es wird als beruhigendes Duftspray unter dem Namen „SerenaScent“ nun von einer Firma in Sydney online vertrieben. Das Spray ist das Ergebnis langjähriger Forschungsarbeit von Dr. Nick Lavidis und Professor Rosemarie Einstein an der University of Queensland. Seine Entwicklung basiert auf der Erkenntnis, dass beim Schneiden von Gras und grünen Blättern mindestens fünf Chemikalien freigesetzt werden, die stressreduzierende Eigenschaften haben. SerenaScent enthält drei dieser Chemikalien und soll helfen, die negative Wirkung von Stress auf das Nervensystem zu reduzieren. Anhaltender negativer Stress kann zu einer Reihe ernsthafter Erkrankungen, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herzproblemen, Gedächtnisverlust, Angstzuständen und Depressionen führen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Der beruhigende Duft wirkt direkt auf das Gehirn, insbesondere auf die für Emotion und Gedächtnis verantwortlichen Bereiche Amygdala und Hippocampus. Diese beiden Bereiche sind Teil des limbischen Systems und unter anderem für das Hormonsystem mitverantwortlich, das die Ausschüttung von Stresshormonen, wie Kortikosteroiden, steuert. Begonnen hat alles vor zwanzig Jahren bei einem Urlaub im Yosemite National Park in den USA. „Drei Tage im Park fühlten sich an wie ein dreimonatiger Urlaub“, so Dr. Lavidis. „Damals war ich mir nicht bewusst, dass meine Entspanntheit auf die von den Nadelbäumen abgesonderten Wohlfühl-Chemikalien, die üppige Vegetation und das geschnittene Gras zurückzuführen waren. Erst Jahre später machte es Klick, als ein Nachbar mich auf den wohltuenden Duft meines frisch gemähten Rasens ansprach.“ idw; Institut Ranke-Heinemann/Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund, 2010

Geranienduft als Valiumersatz
Kann der Duft von Gardenia jasminoides, einer beliebten Zimmerpflanze, chemische Beruhigungsmittel wie Valium ersetzen? Die Ergebnisse einer Studie, an der auch der bekannte Bochumer Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt beteiligt war, lassen dies zumindest vermuten. Die Wissenschaftler entdeckten, dass der Duftstoff Vertacetal-coeur und dessen chemische Variante (PI24513) den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben wie die häufig verschriebenen Psychopharmaka. Diese verstärken die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure), indem sie an dessen Rezeptoren andocken, die an Kontaktstellen von Nervenzellen (Synapsen) im Gehirn liegen. „Wir haben eine neue Klasse von GABA-Rezeptormodulatoren entdeckt, die sowohl parenteral verabreicht als auch durch die Atemluft wirken“, sagt Prof. Hatt. „Man kann sich Anwendungen in der angstlösenden, beruhigenden, erregungs- und aggressionsdämpfenden oder schlafanstoßenden Therapie vorstellen.“ Und, mindestens ebenso wichtig: Die Ergebnisse lassen sich zugleich als „Nachweis einer wissenschaftlichen Grundlage der Aromatherapie“ sehen, wie der Zellphysiologe bestätigt. Die Forscher testeten mehrere hundert Duftstoffe hinsichtlich ihrer Wirkung auf GABA-Rezeptoren von Mensch und Maus. Das im jasminähnlichen Duft der Gardenienblüte enthaltene Vertacetal-coeur wirkte dabei am stärksten – ähnlich stark wie die bekannten Medikamente. Die Wissenschaftler haben sogleich ein Patent auf ihre Entdeckung angemeldet. Sie wollen nun versuchen, durch Veränderung der chemischen Struktur der Duftmoleküle eine noch stärkere Wirkung zu erzielen. Die Gardenie, bei uns früher wegen ihrer Nutzung auch „Knopflochblume“ genannt, stammt ursprünglich aus Ostasien. Sie wird als natürlicher Aromastoff in Tees verwendet und auch in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt. Das ätherische Öl der Gardenie gibt es als Absolue oder Concrète aus China oder Indien, meist wird es jedoch synthetisch hergestellt.
Ruhr-Universität-Bochum; Journal of Biological Chemistry, 2010

Duftende Briefmarken
Lust darauf, wieder öfter mal Briefe zu schreiben, sollen die duftenden Wohlfahrtsmarken der Deutschen Post machen: Sie haben die Motive Apfel, Erdbeere, Zitrone und Heidelbeere und verströmen einen intensiven Obst-Duft, wenn man daran rubbelt. Es handelt sich dabei um synthetische Duftstoffe, die mikroverkapselt auf die Marken aufgebracht wurden. Der Erlös aus dem Verkauf kommt den Wohlfahrtsverbänden AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland zugute. Das Finanzministerium, das als Herausgeber für die Wohlfahrts-Ätherischemarken verantwortlich ist, hat versichert: Die Düfte sind nicht gesundheitsschädlich und wurden von einem neutralen Institut auf ihren allergenen Gehalt hin untersucht. Dennoch sehen Allergiker und chemikaliensensitive Menschen die neuen Duft-Marken nicht ganz unproblematisch. Sie reagieren oft schon auf geringste Spuren synthetischer Düfte mit Beschwerden. Die Mitglieder des „Chemical Sensitivity Networks“(CSN) haben sich deshalb bereits in einem Brief an das Finanzministerium über die Wohlfahrtsmarken beschwert.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege; CSN-Blog, 2010

Lavendelöl als Anxyolytikum
Lavendelöl ist in der Aromatherapie als bewährtes Mittel vor allem gegen Schlafstörungen bekannt. Weniger bekannt ist, dass man Lavendelöl auch innerlich einnehmen kann und dass es so das Potenzial besitzt, als neues „Phyto-Anxiolytikum“ Angststörungen wirkungsvoll zu bekämpfen. Auf dem 7. Berliner Phytotherapie-Kongress im Herbst 2009 berichtete Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien über die Ergebnisse neuer Studien zur Wirksamkeit von Lavendelöl gegen Angststörungen und sorgte damit für große Aufmerksamkeit. Getestet wurde ein neues Präparat namens Silexan. Es enthält nach Angaben des Herstellers durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl aus den Blüten von Lavandula angustifolia.
In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde das Lavendelöl mit dem Benzodiazepin Lorazepam verglichen. Über sechs Wochen erhielten Patienten mit generalisierter Angststörung einmal täglich eine Kapsel mit 80 mg Silexan. Das Ergebnis: Nach zweiwöchiger Einnahme hatte das Lavendelöl eine vergleichbare anxiolytische (angstlösende) Wirksamkeit wie Lorazepam (0,5 mg/d).
Damit hätten Angstpatienten eine gut verträgliche, nicht süchtig machende Alternative zu den nicht ungefährlichen „Benzo“-Beruhigungsmitteln, die ein hohes Suchtpotential haben. Als einzige Nebenwirkungen des Lavendelöls sind bisher häufiges Aufstoßen und leichte Magen-Darm-Beschwerden bekannt. Seit 1. Februar 2010 ist das Mittel rezeptfrei in Apotheken erhältlich.
Zeitschrift für Phytotherapie 2009, 30: 310–311; Spitzner Arzneimittel GmbH

Preisgekrönter Duftgarten
Eine 400 Jahre alte Parfümrezeptur Königin Elisabeths I. inspirierte die Briten Laurie Chetwood, Architekt, und Patrick Collins, Landschaftsarchitekt, zu einem ungewöhnlichen Duftgarten, der bei der diesjährigen Chelsea Flower Show in London die Goldmedaille für den kreativsten Schaugarten erhielt. Wer vom 19. bis 23. Mai 2009 die weltberühmte Gartenausstellung besuchte, konnte sich auf eine olfaktorischen Zeitreise begeben, die bis zu den Anfängen der Parfümgeschichte führte. „Wir wollen den Besuchern den Zauber und die Geschichte von Parfüm zeigen. Wir wollen ihnen ermöglichen, unseren Garten mit ihren Sinnen wahrzunehmen, die Düfte zu riechen, und zu erfahren, wie Parfüm gemacht wird“, so Chetwood zur Eröffnung der Blumenschau. Von Duftpflanzen, die bereits die alten Griechen und Römer schätzten, um wohlriechende Essenzen daraus zu gewinnen, bis zu floralen Ingredienzen, die erst in unserer Zeit von der Parfümindustrie „entdeckt“ wurden, präsentierte die ideenreich gestaltete Anlage die ganze eindrucksvolle Vielfalt historischer und moderner Parfümpflanzen. Natürlich durften in dem Schaugarten weder die Essig-Rose (Rosa gallica) noch die Iris (Iris germanica) fehlen, die zu den ältesten und bekanntesten Duftpflanzen überhaupt zählen, gefolgt vom Schopflavendel (Lavandula stoechas), dessen ätherisches Öl vermutlich um 60 n. Chr. erstmals destilliert wurde. Arabische Parfümeure favorisierten wenige Jahrhunderte später für ihre Kreationen Damaszener-Rosen (Rosa damascena) und Hyazinthen (Hyacinthus orientalis). Aber auch eher unbekannte Duftlieferanten fanden ihren Platz im Parfümgarten von Chelsea, wie etwa der Gewöhnliche Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), aus dessen Rhizomen ein Extrakt gewonnen wird, das Fougère-Parfüms eine erdige, männliche Note verleiht. Der Duftgarten kann übrigens virtuell noch immer besucht werden – wenn auch leider ganz ohne Duft. www.rhs.org.uk, www.bbc.co.uk, 19.5.2009

Pfefferminzöl wirkt als Spasmolyt
Das Reizdarm-Syndrom ist eine häufige Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen, chronische Verstopfung, Durchfall oder abwechslungsweise beides. Zur therapeutischen Behandlung werden sowohl krampflösende Medikamente (Spasmolytika) eingesetzt, als auch Ballaststoffe und pflanzliche Mittel wie das ätherische Öl der Pfefferminze. Letzteres wirkt am besten in Kapselform eingenommen, weil es so erst im Darm freigesetzt wird.
Kanadische und US-amerikanische Gastroenterologen haben verschiedene Studien zum Einsatz von Spasmolytika, Ballaststoffen und Pfefferminzöl bei Reizdarm ausgewertet und die Wirksamkeit der Therapien verglichen. Dabei stellte sich heraus: Pfefferminzöl ist am wirksamsten, sogar noch wirksamer als chemische Spasmolytika. Am wenigsten half faserreiche Kost mit vielen Ballaststoffen, wie zum Beispiel Flohsamenschalen oder Weizenkleie, gegen die lästigen Beschwerden.
Zeitschrift für Phytotherapie 2009; 30: 315

Pheromone beleben Roboter im Kakerlakenreich
Wissenschaftler, die mit Kakerlaken arbeiten, tun sich nicht immer leicht damit, ernst genommen zu werden. Dabei mutet es fast wie Science-Fiction an, was Jean-Louis Deneubourg von der Freien Universität Brüssel in Zusammenarbeit mit der Ecole polytechnique fédérale (Lausanne) im Experiment herausfand:
Ein Miniroboter, getauft auf den Namen InsBot (von insect-robot), kann allein, ohne menschliches Eingreifen (!), das Verhalten einer ganzen Kakerlaken-Gesellschaft beeinflussen und verändern! Unter zwei Voraussetzungen: dass er erstens wie eine echte Kakerlake kriecht und zweitens wie eine solche duftet.
Pheromone machen es möglich, dass ein banaler, drei auf vier Zentimeter großer und mit Elektronik bestückter Würfel von einer Kakerlaken-Schar als Artgenosse behandelt wird und sogar das Verhalten der Gruppe bestimmen kann. So bevorzugen Kakerlaken normalerweise dunkle Räume als Aufenthaltsort. Doch wenn man eine bestimmte Anzahl von InsBot-Robotern unter die Krabbeltiere mischt und sie darauf programmiert, helle Orte aufzusuchen, dann sammelt sich die ganze Kakerlaken-Gesellschaft plötzlich am hellen Ort – nur um das Vergnügen zu haben, alle zusammen zu sein!
Abgesehen davon, dass ein Kammerjäger sich leichter tut, Ungeziefer an hellen Orten zu finden, eröffnet diese Entdeckung auch in anderen Bereichen neue Anwendungsmöglichkeiten. So wäre es vorstellbar, mit solchen pheromonbestückten Minirobotern intelligente Fallen zu bauen, oder automatische Vogelscheuchen, um beispielsweise Vögel von Flughäfen fernzuhalten, oder sogar künstliche Schäferhunde zur Überwachung von Herden. An einer künstlichen Henne wird unterdessen bereits gearbeitet. Sicher haben wir noch so manche Entdeckung zu erwarten im lange unterschätzten Reich der Düfte und der Pheromone!
Le Monde, 18./19.6.2006

Parfums sind Kunstwerke
Mit Duftfläschchen und Essenzen statt mit Pinsel, Bleistift oder Klavier hantieren sie, die Künstler oder „Nasen“, die ein neues Parfum kreieren. Dass dafür Kreativität nötig ist, mag wohl niemand bestreiten. Doch bisher wurde solch einem Werk, dem Ergebnis der olfaktorischen Schöpferkraft eines Menschen, kein Urheberschutz gewährt. Was für Dichter, Musiker und Maler selbstverständlich ist, stand für Duftkünstler nie zur Debatte – vielleicht auch ein Hinweis darauf, wie wenig Bedeutung unsere Kultur lange Zeit dem Geruchssinn einräumte. Jetzt jedoch fordern Erfinder von Parfums, auch ihre Kreationen vor Nachahmern zu schützen und ihnen eine Art „Copyright“ einzuräumen.
Erstmals gab ihnen ein Gericht nun Recht. Die juristische Entscheidung des Pariser Berufungsgerichts vom 25. Januar dieses Jahres bedeutet für die kreativen „Nasen“, dass ihre Arbeit endlich als künstlerisches Werk Anerkennung findet. Sie bedeutet auch, dass sie ihr Urheberrecht nun vor Gericht einklagen und eine finanzielle Beteiligung von den Firmen fordern können, deren Produkt einem ihrer Urheberschaft entsprungenen Duft zu ähnlich ist.
Anlass für den Rechtsstreit war eine Klage von L’Oréal gegen die belgische Firma Bellure, die mit Parfums wie Pure Black, La Valeur oder Arrivederci Düfte vermarktet, die den L’Oréal-Kreationen Drakkar noir (Guy Laroche), Trésor (Lancôme) und Acqua di Gio (Giorgio Armani) nachempfunden sind. Noch im Jahr 1975 hatte ein Gericht eine ähnliche Klage der Firma Rochas mit der Begründung abgelehnt, dass Parfums nichts als chemische Mischungen seien, keineswegs also kreative Werke wie beispielsweise Romane.
Doch mit dem zunehmenden Interesse für Düfte, Aromatherapie und den Geruchssinn änderten auch Juristen ihre Einschätzung, sodass im Mai 2004 das Pariser Gericht in erster Instanz urteilte, dass „die von einem Parfumerfinder kreierte Komposition“ durchaus „mit einem Musikstück zu vergleichen sei“, dass außerdem „ein Parfum die ästhetische Kreation einer einzigartigen Zusammenstellung duftender Substanzen und daher ein kreatives Werk sei.“
Allerdings sah sich der Richter nicht in der Lage, darüber zu urteilen, ob die Parfums von Bellure wirklich Kopien der L’Oréal-Kreationen sind. In zweiter Instanz konnte der Kosmetikkonzern jedoch eine Reihe chemischer Analysen vorlegen, die bewiesen, dass eines der Bellure-Parfums immerhin stolze 50 der insgesamt 52 Inhaltsstoffe seines L’Oréal-Vorbilds enthält. Das Gericht hielt dieses Argument für überzeugend und verurteilte Bellure, mehr als eine Million Euro Schadenersatz an L’Oréal sowie die Gerichtskosten zu zahlen.
So wurde L’Oréal zum Vorkämpfer der Parfumerfinder, die sich nun als Künstler betrachten und Urheberschutz einfordern dürfen für ihre „geistigen Erfindungen“.
Libération, 20.6.2006

Bei Anruf Duft
Das leidige Klingeln von Handys in Supermärkten und Umkleidekabinen, in Restaurants, Zügen und auf Flughäfen könnte schon bald durch zarte Düfte ersetzt werden, die den Nasen der Handy-Nutzer individuelle Geruchssignale geben, wenn ein Anrufer zum Gespräch bittet. So jedenfalls stellt sich das Andreas Paul Wüllner aus dem niedersächsischen Brietlingen bei Lüneburg vor.
Schon liegt bei dem gelernten Elektroniker der handgefertigte Prototyp eines Handys mit Duftchip bereit. Orchideen- oder Rosenduft, die neuesten Kreationen von Laura Biagiotti und Dior oder auch eine Kräuteressenz, die bei jedem Anruf mit einer Prise die verschnupfte Nase freimacht - so soll die "bahnbrechende" Erfindung funktionieren. Schließlich könnten beruhigende Düfte bei Handy-Besitzern sogar einen Stressabbau bewirken, glaubt er. "Wohlgerüche machen in jedem Fall gute Laune. Statt nervende Klingeltöne zu ertragen, könnte sich jeder mit seinem Lieblingsparfüm verwöhnen lassen", schwärmt der Erfinder. Und: "Man könnte den Chip sogar nur bei bestimmten Anrufern duften lassen."
Das Konzentrat soll auch während des Telefonats noch wirken. Der einer kleinen Öffnung am Geräterücken entströmende Duft verbreitet sich nur im Umkreis von einem Meter. "Das hat den Vorteil, dass niemand belästigt wird", meint Wüllner. Die erforderliche Elektronik hat der Tüftler mit Hilfe einer Lupe in die Rückwand des Handys montiert. Für die bereits als Gebrauchsmuster zertifizierte Idee hat Wüllner jetzt auch das internationale Patent beantragt. Sobald er es sich gesichert hat, will er eine Firma gründen, die Lizenzen an Hersteller von Mobilfunk-Telefonen und Parfüms verkauft.
Lutz Reinfeld, Filialleiter eines Telefon-Shops in Lüneburg, sieht das wohlriechende Gerät eher als Spaß an. Beim Essen oder bei Besprechungen allerdings hält er es für eine Belästigung. Außerdem: "Ich möchte keinen Anruf verpassen. Duft geht höchstens in Verbindung mit Vibrationsalarm, sonst ist das an der Praxis vorbei", meint der Handy-Spezialist.
Und auch bei der Leiterin einer Parfümerie stößt die Erfindung noch nicht auf ungeteilte Zustimmung: "Keiner hat nur einen Lieblingsduft. Dem Bedürfnis noch häufigem Wechsel des Parfüms und den ständig neuen Duftkreationen kann man damit sicher nicht nachkommen", glaubt sie.
Lüneburg - dpa

Olfaktorisches Marketing im Test
Vom olfaktorischen Marketing – der Imagepflege und Werbung mittels Düften – versprechen sich Firmen, Hotels und Agenturen bedeutende Umsatzsteigerungen. Aber funktioniert es wirklich? Welche Wirkung hat das Verstäuben von Düften auf den Verbraucher? Das wurde in einem französischen Einkaufszentrum erstmals in großem Maßstab getestet: Zehn Tage lang beobachtete und befragte man in der einmal bedufteten, einmal nicht bedufteten Abteilung für Dekoration des Conforama-Ladens in Balma (Haute-Garonne, Südfrankreich) 156 Kunden. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend, denn im Gegensatz zu vorherigen Experimenten veranlasste die Beduftung die Kunden weder, länger zu bleiben, noch, mehr zu kaufen. Wohl aber empfanden die Konsumenten den Aufenthalt in der Abteilung angenehmer, wenn sie duftete (dann blieben 10 % der Kunden dort stehen, sonst nur 4 %). Außerdem gaben 84 % (gegenüber 78 %) an, zurückkommen zu wollen. 62 % der Verbraucher bemerkten die Beduftung, und 97 % von ihnen empfanden sie als angenehm. Angesichts dieser Ergebnisse werden duftende Supermärkte bald wohl genauso selbstverständlich sein wie mit Musik beschallte … BVA, Juni 2006

Sonnenschutz als dem Urwald
Aus Brasilien erreichte die Pariser Zeitung Le Monde kürzlich eine gute Nachricht für naturbewusste, gewissenhafte Sonnenanbeter: Dort konnte der Pharmazie-Professor Silva Berlanga de Moraes Barros nach 30-monatiger Forschungsarbeit im Labor nachweisen, dass die einheimische Pflanze Pariparoba bestimmte Substanzen enthält, mit deren Hilfe sie sich vor ultravioletter Strahlung schützt.
Dieser Schutz funktioniert auch bei menschlicher Haut. Nur allzu verständlich, dass eine solche Meldung bei der Kosmetikindustrie großes Interesse auslöste. Auch weil Pariparoba in der mata atlântica, dem tropischen Wald an der brasilianischen Atlantikküste, sehr häufig vorkommt und daher kein Mangel an Rohmaterial besteht, um die pflanzlichen Substanzen in Sonnenschutzprodukten zu verarbeiten. Das staatliche Forschungsinstitut von São Paolo entschied Ende letzten Jahres, die entsprechenden Forschungsergebnisse privaten Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Sie wählte dafür die für ihr Umweltbewusstsein und ihre sozialen Geschäftspraktiken bekannte brasilianische Kosmetikfirma Natura aus und übertrug ihr die Rechte, die gewinnversprechenden Erkenntnisse der Universitätsfakultät industriell und kommerziell zu nutzen. Le Monde, 18.8.2005

Kuriose Auszeichnungen
Düfte und Aromen bringen Innovation: Prämiert wurden kürzlich von den Verbraucherorganisationen verschiedener Länder folgende neue Produkte: nach Erdbeer duftende Fischwurst, Kartoffelchips mit Spargelgeschmack, eine sich jedem Geschmack anpassende Sauce, Essen in Gelform für alternde (zahngeschädigte) Konsumenten, Kaugummi mit Anti-Karies-Schutz und Rauchabgewöhnungseffekt, Whisky mit herzstärkenden Polyphenolen aus spanischen Eichenfässern … Le Monde, 14.9.2005

Zum Schmunzeln und Wundern
Unter der Rubrik „Was es nicht alles gibt!“ einzuordnen ist die Nachricht vom Parfum namens Flowerbomb (L’Oréal), das in einem Flakon in Form einer Handgranate angeboten wird und im Osloer Flughafen ab sofort nicht mehr verkauft werden darf. Die Flugplatzverwaltung traf diese Entscheidung, nachdem eine Norwegerin am Flugplatz Beauvais von französischen Sicherheitskräften aufgehalten wurde, weil sie eine Bombe im Handgepäck trug. Die „Flowerbomb“ („Blumenbombe“) durfte sie jedoch schließlich behalten …
Die Osloer L’Oréal-Vertretung zeigte sich erstaunt: Immerhin existiere dieses Parfum im Bombenflakon bereits seit zwei Jahren überall in der Welt, und nirgends habe es bisher Probleme gegeben … Agence France Presse (AFP), 25.4.2006

Honigduft der Unschuld als sexuelle Abschreckung
Elefanten erkennen den sexuellen Status ihrer Artgenossen an deren Geruch, berichten Bets Rasmussen und Kollegen von der Oregon Health and Science University in Volume 415 (2002) der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature. Demnach signalisieren junge Elefantenbullen älteren Artgenossen mit einem süßen Duft, dass sie noch nicht geschlechtsreif und daher keine Konkurrenz sind. Für Elefantenkühe ist der Geruch ein Hinweis, dass der junge Bulle noch eine Weile benötigt, bis er interessant sein könnte. Die aus Drüsen zwischen Augen und Ohren abgesonderten Sekrete riechen wie Honig und enthalten ähnliche Duftstoffe. Aus den gleichen Drüsen sondern ausgewachsene Bullen in einer Phase erhöhter Paarungsbereitschaft und Aggressivität ebenfalls Duftstoffe aus. Diese riechen aber unangenehm faulig und vertreiben andere Bullen. Weibchen fühlen sich von dem strengen Geruch angezogen. Nachdem Forscher die chemische Zusammensetzung der Duftstoffe junger und alter Bullen kennen, grübeln sie nun, wie sie mit den Substanzen Elefanten vom Plündern indischer Äcker abhalten können. SZ - München, 2002

Geschmack und Geruch zum Ausdrucken
Ein Zusatzgerät für den Computer, das Geschmacksstoffe und Düfte ausdruckt, wird im Mai vom amerikanischen Unternehmen TriSenx auf den Markt gebracht, wie das Wissenschaftsmagazin New Scientist kürzlich berichtete. Der Spezialdrucker arbeitet mit einer Patrone, die statt Tinte 200 verschiedene Aromen auf Wasserbasis enthält. Ein Druckkopf trägt die Substanzen in wechselnden Kombinationen auf Faserkarton auf. Damit können mehr als tausend unterschiedliche Düfte erzeugt werden. Das Gerät könnte es in Zukunft ermöglichen, ein neues Parfüm zu testen, bevor es via Internet bestellt wird. Zum knapp 300 Dollar teuren Gerät wird auch eine spezielle Software mitgeliefert, die den Ausdruck versehentlich gemixter, schlechter Gerüche verhindert. TriSenx plant in weiterer Folge, das Gerät für essbares Papier aufzurüsten, um auch Geschmacksstoffe ausdrucken zu können. pte/ddp - London

Stinktieröl soll Frauen schützen
In Schweden können sich Frauen jetzt mit Stinktier-Öl vor Vergewaltigern schützen: Die kleine Gasampulle mit der übel riechenden Flüssigkeit könne um den Hals getragen werden, sagte die Sprecherin einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer. Ein Sextäter lasse schnell von seinem Opfer ab, wenn es wie ein Stinktier rieche. Der Gestank beschere zwar auch dem Opfer Übelkeit. Dies sei jedoch allemal besser, als vergewaltigt zu werden. Das Stinkmittel soll für ca. 68 Euro verkauft werden. Reuters - Stockholm

Kräutermix nimmt Faeces den Gestank
Üblen Gerüchen in der Toilette soll künftig mit einer Kräutermischung der Garaus gemacht werden, die sich das japanische Unternehmen Takasago Corporation hat patentieren lassen. Noch dem Verzehr dieser Kräutermischung soll der menschliche Stuhl deutlich besser riechen - und ebenso der Kot von Tieren -, berichtete die Zeitschrift New Scientist. Der Kräutermix enthält unter anderem Rosmarin, Sonnenblumenund Weintraubenkerne, Apfel- und Karottenblätter - und als einen Hauptbestandteil gemahlene Kaffeebohnen.
Wurde dieses Gemisch dem Futter von Hunden beigefügt, habe deren Kot im Vergleich zu Ausscheidungen von normal gefütterten Hunden deutlich weniger übelriechende Gase wie Schwefelwasserstoff enthalten, berichtet das japanische Unternehmen. Für den menschlichen Stuhl sei die desodorierende Wirkung beispielsweise nach dem Genuss von knoblauchgewürztem Steak belegt worden.

Parfüm nach Maß
In New York sind sie ein Renner, die Parfums nach Maß, entdeckte das italienische Magazin Oggi. Mehr als 1300 verschiedene Düfte kreierte Christopher Brosius bereits in seiner New Yorker Boutique. Die meisten seiner Kunden sind auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geruch aus ihrer Kindheit, der freilich nicht immer auch die Nasen anderer Mitmenschen verführt. Zu den seltsamsten Wünschen, die der Parfümeur zufrieden stellen konnte, gehörten die Duftnoten Regenwurm, geräucherter Lachs, Schimmel, Sägemehl ... Sehr becircend? Aber sicher nie der Massengeschmack. Und so bleibt es dann bestimmt beim ganz persönlichen, einzigartigen Parfum.

Mit Aromen gegen Mücken
Die internationale Mückenwelt sei gewarnt! Jetzt wird starkes Geschütz aufgefahren gegen die stechenden Störenfriede aller Campingfreunde: Wie die Pariser Zeitschrift Madame Figaro berichtet, hat die Firma Wilsa-Sport einen Anti-Mücken-Schlafsack auf den Markt gebracht, dessen Imprägnierung die Mücken abschreckt, für den Schläfer aber angenehm riecht und völlig unschädlich ist. Die Imprägnierung des Schlafsacks mit Chrysanthemenextrakt verströmt einen für Mücken unerträglichen Duft. Nach fünfmaligem Waschen verwandelt sich die Imprägnierung in ein Insektizid, das jede Mücke bei Kontakt mit dem Schlafsack sofort tötet. Wer auf diese Art mit Aromen den Kampf gegen Mücken aufnehmen will, muss für solch einen Schlafsack rund 45 Euro hinblättern ... wo, das erfährt man unter der Telefonnummer 0033 3 20 90 41 70, allerdings in französischer Sprache.

Duft des Eisprungs macht Männer blind
Liebe macht blind. Wiener Forscher haben den wissenschaftlichen Beweis. Obwohl es, genau genommen, nicht die Liebe im Allgemeinen ist, die Männer blind macht. Vielmehr ist es ihr Trieb, sich zu reproduzieren. Riechen Männer vaginale Duftstoffe von Frauen in der Zeit um den Eisprung, werden auch weniger attraktive Frauen für das starke Geschlecht begehrenswert. "Lässt man einen Mann Kopuline riechen, bricht seine Fähigkeit, die Attraktivität zu beurteilen, völlig zusammen", sagt Professor Karl Grammer vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie in Wien. Kopuline sind ein Gemisch kurzkettiger Fettsäuren im Vaginalsekret von Frauen. Der Wiener Verhaltensforscher weiter zum Ergebnis seiner Untersuchungen: "Es findet eine Art chemischer Kriegsführung zwischen den Geschlechtern statt, die auf einer Ebene abläuft, die kognitiv nicht zugänglich ist." nke/cod - Lübeck