Aromatherapie in der häuslichen Pflege

Dieses Buch wendet sich – wie schon aus dem Titel ersichtlich – in erster Linie an pflegende Angehörige im privaten häuslichen Umfeld. Auf einfühlsame und leicht verständliche Weise gibt die Autorin ihr über viele Jahre erworbenes Wissen nun auch in diesem Handbuch weiter. Das durch ansprechende Fotos aufgelockerte Buch gliedert sich in zwei große Abschnitte. Im ersten Hauptabschnitt bekommen die Leser allgemeine Informationen zu ätherischen und fetten Pflanzenölen sowie Hydrolaten und worauf bei deren Einkauf zu achten ist. Stichwortartige Zusammenstellungen ausgewählter ätherischer und fetter Öle und Hydrolate erlauben eine schnelle Übersicht. Dazu gibt es jeweils wertvolle Tipps und Hinweise sowie leicht umsetzbare Dosierungsangaben fürs Selbermischen. Es folgen Angaben zu benötigten Utensilien und hilfreiche Informationen zu Hygiene und sicherer Anwendung. Dabei hat die Autorin stets den Gebrauch durch Laien im Fokus. Dementsprechend unkompliziert und leicht umsetzbar sind ihre Empfehlungen. Bevor es mit den eigentlichen Anwendungen im zweiten Hauptabschnitt losgeht, wird übersichtliches Praxiswissen zu den verschiedenen Anwendungsformen vermittelt. Der große Hauptabschnitt „Anwendung ätherischer Öle“ umfasst ca. zwei Drittel des Buches und stellt den Kernbereich dar. Sabrina Herber spricht in diesem Kapitel all jene Aspekte an, die im häuslichen Pflegealltag immer wieder zu Fragen oder Problemen führen. Neben den Themen Hautpflege, Atemnot, Bauch und Darm bekommen die Bereiche Schmerzen, Schlafstörungen, Angst und Unruhe sowie die Mundpflege viel Raum. Die Autorin verdeutlicht auf eindrückliche Weise, dass Schmerz ein sehr subjektives Erleben ist, dem entsprechend individuell begegnet werden soll. Weitere Unterkapitel umspannen das Feld krankheits-begleitender Anwendungen bei Erkrankungen der Harnwege, Übelkeit bis hin zu Tumorerkrankungen. Am Ende des Buches geht die Autorin auf die Anwendung ätherischer Öle bei Demenz ein. Das Abschlusskapitel ist der Sterbebegleitung gewidmet – nicht ohne der Selbstpflege für Angehörige einen gebührenden Raum zu geben. Hilfreich sind zu etlichen großen Themen wie Schmerzen, Schlaf, Angst und Demenz tabellarische Zusammenstellungen geeigneter Öle oder Mischungsvorschläge. Im Anhang findet man neben Angaben zu weiterführender Literatur Adressen von Labors und Apotheken, die Aromatogramme erstellen resp. bearbeiten, sowie Bezugsquellen für ätherische und fette Öle, Hydrolate und Zubehör. Einzige kleine Wermutstropfen sind die nicht immer ganz korrekten Begriffserklärungen. So ist es zwar richtig, dass einige ätherische Arzneibuchöle rektifiziert werden, um die Anforderungen des Arzneibuchs zu erfüllen; es werden dabei unerwünschte reizende Stoffe entfernt. Rektifizierte Öle gibt es jedoch auch im Kosmetikbereich, z.B. Bergamotte furocumarinarm, dem aus Sicherheitsgründen das Bergapten aufgrund seiner photosensibilisierenden Eigenschaften weitgehend entzogen wurde. Dennoch werden diese Öle mittels Wasserdampfdestillation gewonnen, sind also natürlich. Zudem ist streng genommen jede Wasserdampfdestillation ein Eingriff in die natürliche Zusammensetzung eines Öls, so wie es in der Pflanze enthalten ist, denn die Art der Destillationsführung entscheidet über die Zusammensetzung des gewonnenen Öls. Bei der Unterscheidung zwischen nativem und behandeltem Kokosfett sollte es sicherlich „raffiniert“ und nicht „fraktioniert“ heißen. Der Titel „Aromatherapie in der häuslichen Pflege“ bedeutet eine gewisse Quadratur des Kreises, von der wir alle, die in diesem Feld tätig sind, tagtäglich betroffen sind: denn Therapie ist immer eine ärztliche oder ärztlich angeordnete Behandlung, hier geht es aber um die gerade nicht ärztliche, sondern eigenverantwortliche Pflege und Begleitung. Jedoch ist der Begriff Aromatherapie historisch gewachsen und umfasst im populären Sprachgebrauch alle Anwendungen ätherischer Öle vom Aufstellen einer Duftlampe bis hin zu keimreduzierenden Wundauflagen. Insofern wäre es für alle Beteiligten an der Zeit, sich über die Sinnhaftigkeit und Bedeutung dieses Begriffes neue Gedanken zu machen. Diese kleinen Hinweise sollen in keinster Weise den Wert dieses Buches schmälern, sondern eher als Anregung dienen. Fazit: Dieses Handbuch stellt einen sehr empfehlenswerten und praxisorientierten Ratgeber für pflegende Angehörige dar, die die liebevolle Anwendung ätherischer Öle und Aromamischungen bei den ihnen Anvertrauten im häuslichen Bereich umsetzen wollen. Gisela Hillert, Hofheim (Taunus), Apothekerin