Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe

In diesem Jahr ist das Standardwerk von Eliane Zimmermann in überarbeiteter 6. Auflage erschienen. Deutlich umfangreicher als die 5. Auflage macht es neugierig
zu erfahren: Was ist neu – was wurde an Bewährtem übernommen? Vor rund 20 Jahren erschien die Erstausgabe dieses Kompendiums. Viel ist seither in der „Aroma-Welt“ geschehen. Die Wissenschaft befasst sich zunehmend stärker mit ätherischen Ölen, sei es in Therapie, Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege als
auch dem weiten Feld der Psychotherapie. Dem trägt die Autorin Rechnung durch Aufnahme weiterer neuer Studien in dem schon bewährten Kapitel. Allen ÄtherischÖl-Monographien sind Fotographien beigefügt, auf denen sich sehr gut die Charakteristika der jeweiligen Pflanze erkennen lassen. Außerdem sind zu jedem Öl die wichtigsten Inhaltsstoffklassen in Form farbiger Tropfen abgebildet. Das Größenverhältnis der Tropfen spiegelt dabei das Mengenverhältnis der Inhaltsstoffklassen wider. So können sich die Leser eine schnelle Übersicht verschaffen. In Teil 1 beschreibt Zimmermann auf gut verständliche Weise botanische und biochemische Grundlagen. Infokästen und Merksätze heben das Wesentliche hervor. Zahlreiche Tabellen ermöglichen einen orientierenden Überblick über z.B. Inhaltsstoffe, Wirkungen und Vorkommen oder Daten zur Herstellung. So klärt z.B. eine farbige Tabelle auf über Siegel und Zertifizierungen im Kosmetik- und Lebensmittelbereich, wobei leider auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, ob es sich um ein Siegel oder eine Zertifizierung handelt, und auch die klare Zuordnung fehlt, aus welchem Bereich die Siegel stammen.
Als Apothekerin und Aromaexpertin muss ich allerdings anmerken, dass die Aussagen der Autorin über Arzneibuch-Öle nicht ganz korrekt sind, wenngleich es natürlich ein Manko ist, dass Anbaumethoden bei Arzneibuch-Ölen überhaupt nicht berücksichtigt werden. Es wäre wünschenswert, wenn in der Neuauflage
des Buches diese Themen klarer dargestellt wären. In der Praxis (Apotheke, Krankenhaus, Pflege) ist es wesentlich, rechtskonform zu arbeiten. Eine klare Formulierung des Rechtsbereiches und der Qualitätskriterien für den Einkauf wäre für alle, die mit ätherischen Ölen arbeiten, hilfreich. Teil 2 befasst sich mit dem gesamten Spektrum der therapeutischen Anwendung und bietet eine Fülle an Informationen zu physiologischen Grundlagen, Indikationen, Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen. In diesem Praxisteil finden sich auch fette Pflanzenöle sowie Hydrolate mit ihren Steckbriefen. Interessant wären Quellenangaben zu den Inhaltsstoffen im lipophilenAnteil der Hydrolate.
Im weiteren Verlauf reihen sich kurze Abschnitte über Aromamassage und weitere Anwendungen (z. B. Wickel) ein. Es finden sich Tabellen zur Dosierung, die die Abhängigkeit der Tropfenzahl von etlichen Variablen verdeutlichen. Ein Beispiel für einen Anamnese- und Behandlungsbogen als Kopiervorlage erleichtert die Umsetzung in der Praxis ungemein. Die Liste der in einem Infokasten angegebenen, als allergen eingestuften Duftstoffe entspricht nicht der aktuellen EU-Kosmetik-
Verordnung (derzeit 2009).
Eine umfangreiche Tabelle über bewährte Öle bei psychischen und körperlichen Symptomen, die gleichzeitig eine Einteilung in Kopf-Herz- und Basisnote vornimmt,
ermöglicht einen schnellen Überblick und ist nützlich bei der Auswahl der passenden Öle. An diese Tabelle schließen sich ein kurzer Absatz über die rechtlichen
Rahmenbedingungen für Deutschland und Österreich sowie Anregungen und Rezepturbeispiele an.
Teil 3 widmet sich den ätherischen Ölen und ihren Stammpflanzen. Gegenüber der 5. Auflage fällt hier die sehr ansprechende Gestaltung mit den Pflanzenfotos und der
als farbige Tropfen dargestellten Grafik zu den Inhaltsstoffgruppen auf. Nicht nur die gängigen, sondern auch seltenere Öle und solche aufgrund ihrer Toxizität oder problematischen Inhaltsstoffe in der Aromatherapie nicht verwendeten ätherischen Öle werden besprochen. Die quantitativen Angaben der Inhaltsstoffe wurden aus der
5. Auflage übernommen und sind damit weiterhin chargenbezogen. Das heißt, für einen Inhaltsstoff wird nur ein quantitativer Wert angegeben. Hier würde eine Angabe der Bereiche „von – bis“, so wie z.B. im Ph.Eur., deutlicher die natürliche Schwankungsbreite wiedergeben.
Im Anhang Teil 4 wird das Thema Aromatherapie als Beruf aufgegriffen. Die Autorin beschreibt Möglichkeiten und Grenzen und gibt praktische Hinweise dazu.
Bei der insgesamt großen Themenbreite fließen gelegentlich Fakten und Meinung der Autorin ineinander. Das Buch ist in vielen Bereichen ein gutes Sachbuch und
Nachschlagewerk für alle, die sich einer engagierten aromatherapeutischen Behandlung oder Aromapflege für den Menschen widmen.
Gisela Hillert Apothekerin, Hofheim (Taunus)