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In Gedenken an Klaus Dürbeck († 16.12.2016)

Diplom Agraringenieur und Consultingberater, tätig im Bereich der industriellen Nutzung von Arznei- und Gewürzpflanzen für den Basisgesundheitsdienst der Vereinten Nationen.

Unser Ehren- und Kuratoriumsmitglied Klaus Dürbeck ist plötzlich (16.12.2016) und viel zu jung im Alter von 60 Jahren verstorben.

Klaus war seit 20 Jahren Mitglied in FORUM ESSENZIA e.V. Bereits 1996, in der Ausgabe Nr. 10, unserer Fachzeitschrift F·O·R·U·M konnten die Mitglieder des Vereins den ersten Artikel von ihm lesen. Schon damals waren seine Themen: genuin authentische Öle und Transparenz in der Produktqualität sowie deren Qualitätskontrolle.
Unter seiner Präsidentschaft von 2004 bis 2009 hat er den Verein zukunftsorientiert geführt, in neue Bahnen geleitet und geprägt z.B. in gesetzlich konformem Arbeiten, Vernetzen von Ursprung, Handel, Wissenschaft und Anwendung und eine durchgängige Dokumentation von der Pflanzenbestimmung bis zum ätherischen Öl bzw. eines Fertigproduktes. Es war ihm ein großes Anliegen, dass die ätherischen Öle in der Therapie im Gesundheitswesen Anerkennung finden.
Bei unserem Kongress im November 2016 bereiteten ihm die Vorträge viel Freude, zeigten sie doch auf, dass seine Vorstellungen zusehends Wirklichkeit werden.

Seine Arbeit war seine Berufung und als studierter Landwirt waren ihm die Anliegen der Landwirte vertraut. Klaus Dürbeck sorgte für Handelsverknüpfungen, so dass uns das Arbeiten mit ätherischen Ölen möglich ist. Sein Wirken war immer verbunden mit ökologischem und sozialen Denken und Handeln.
Durch seine Überzeugungsarbeit und seinen Einsatz in den Ursprungsländern haben wir ihm viel zu verdanken. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Nachhaltigkeit und Wildsammlung in unser Bewusstsein gerückt sind . Durch seinen Einsatz ist nicht nur die FairWild-Foundation entstanden, sondern faire und soziale Wildsammlung auch tatsächlich umgesetzt worden. Wo auch immer er weltweit in den Ländern der Arznei- und Ätherischölpflanzen unterwegs war, galt seine Aufmerksamkeit dem fairen und sozialen Umgang mit Menschen. Stets hat ihn die Aromatherapie begleitet, er reiste nie ohne ätherisches Öl für seinen persönlichen Gebrauch.

Nach seiner Präsidentschaft stand er stets mit Rat und Antwort für uns im Kuratorium zur Verfügung, keine Mail blieb unbeantwortet und so manche kam aus fernen Krisenländern. Vom Kongress frisch beflügelt wollte er uns noch so viele Berichte liefern. Nun aber bleibt uns nur der Gedanke und die Hoffnung, dass er Frieden findet, fern dieser Welt, die für ihn so klein war wie seine Westentasche, die er stets geachtet hat und ökologisch genutzt sehen wollte, im Einklang mit allen Menschen.

Klaus hinterlässt eine sehr große Lücke, seine Arbeit, sein Wirken, seine steter Frohmut und sein Einsatz für die Aromatherapie wird uns unvergessen bleiben.

Wir trauern um ihn, unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern.

Christa Knedlitschek († 5.7.2016)

Unser Kuratoriumsmitglied, Christa Knedlitschek, stellv. Pflegedirektorin und Palliativ Care-Fachfrau verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren. Sie war seit 2005 im Kuratorium von FORUM ESSENZIA e. V. Viel zu früh und dennoch wohl vorbereitet erwartete sie ihr Sterben im Kreise ihrer Familie, bestens versorgt vom spezialisierten ambulanten Palliativ Team (SAPV). Sie war Mitinitiatorin der Palliativstation in Kempten, sowie des SAPV-Teams. Als Referentin trug sie mit Überzeugung die Aromapflege in die Kliniken, insbesondere in die Palliativ Stationen und Hospizeinrichtungen, dabei war stets gesetzlich konformes anwenden von Aromapflege in ihrem Fokus. Es lag ihr alles daran die Aromapflege stationär zu etablieren. Ihr eigenes Team unterstütze sie in der Entwicklung hauseigener Aromamischungen als Aromakosmetikprodukten – hier war sie Wegbereiterin für andere Einrichtungen. Für unseren Verein stand sie stets mit Fachkompetenz zur Verfügung und unterstütze den Vorstand mit ihrem beruflichen Wissen.

Wir werden ihre ruhige und besonnene Art sehr vermissen. Ihr Wirken und ihre Worte werden weiterleben.

Professor Heinz Schilcher

Professor emer. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz Schilcher, langjähriges Kuratoriumsmitglied von FORUM ESSENZIA e.V., ist im Juni 2015 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.

Die Phytotherapie ist untrennbar mit dem Namen Heinz Schilcher verbunden. Sein Ziel als Pharmazeut war die Entwicklung von sicheren und kalkulierbaren Phytopharmaka für die Medizin. Mit seinen zahlreichen Publikationen und Lehrbüchern hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass die Phytotherapie in der wissenschaftlichen Medizin Anerkennung gefunden hat.

Von Jugend an widmete er sich den Pflanzen. Nach Studium und einigen Jahren in der Forschung war er von 1963 bis 1974 bei einem Arzneimittelhersteller tätig als Leiter der wissenschaftlichen Abteilung sowie als Herstellungs- und Kontrollleiter und entwickelte dort viele Phytopharmaka. Von 1973 bis 1977 lehrte er als Professor an der Universität Marburg, ging dann wieder zurück in die Industrie und arbeitete dort in der Produktion und Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel; von dort aus lehrte er an der Universität Tübingen. 1983 wurde er an das Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin berufen und war dort geschäftsführender Direktor der Abteilung Pharmazeutische Biologie bis zu seiner Emeritierung.

In seiner wissenschaftlichen Laufbahn war Schilcher Mitglied vieler Expertenkommissionen, z. B. der Sachverständigenkommission E und der
Sachverständigenkommission für Traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Immer machte er sich dort für den Erhalt von Phytopharmaka als Arzneimittel stark. Seinen überaus aktiven Lebensabend verbrachte Heinz Schilcher im schönen Allgäu. Hier konnte er sich seiner Passion, den Heilpflanzen, mit viel Engagement widmen. Er setzte sich auch weiterhin für die wissenschaftlich fundierte Phytotherapie ein, etwa als langjähriges Mitglied der Gesellschaft für Phytotherapie und der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung. In den letzten Jahren war es ihm besonders wichtig, sein Wissen weiterzugeben an Pharmazeuten und Mediziner, aber auch an nichtakademische Kräuterexperten und Laien.

Sein Buch „Leitfaden der Phytotherapie“ – auch „Schilcher-Bibel“ genannt – bezeichnete er selbst als sein Lebenswerk. Bis zuletzt arbeitete er an der Neuauflage und setzte sich für den Erhalt des umfangreichen Leitfadens ein, der auch unter Aromatherapeuten als wichtiges Standardwerk gilt. Sicher wäre es ihm ein Anliegen, dass der Verlag dieses wichtige Buch in gleichem Umfang auch ohne ihn fortführen wird. Sein Wirken galt in hohem Maße auch den ÄtherischÖl-Pflanzen.

Gerne und zuverlässig beantwortete er als Kuratoriumsmitglied Fragen aus Vorstand oder Mitgliedschaft von FORUM ESSENZIA e. V. oder nahm an Kongressen und Diskussionen teil. Er fühlte sich nicht nur unter Wissenschaftlern wohl, sondern pflegte auch gerne Umgang mit den Anwenderinnen aus der Praxis wie Geburtshilfe, Pflege oder anderen medizinischen und sozialen Berufe. Für viele „Kräuterhexen“, wie er die Allgäuer Kräuterfrauen
nannte, war er ein streitbarer, aber immer aufgeschlossener und lehrreicher Diskussionspartner. Sein Anliegen war es stets, wissenschaftlich belegtes Wissen weiterzugeben; dabei hatte er immer ein offenes Ohr für die praktischen Erfahrungen mit neuen Anwendungen. Die fachgerechte Anwendung von ätherischen Ölen war ihm ebenso wichtig wie die Verwendung frischer Pflanzensäfte. Er war ein großer Befürworter der „neuen“ Wege in der Aromatherapie mit der äußerlichen Anwendung von Mischungen aus fetten und ätherischen Ölen und der Nutzung von Hydrolaten.
Bis kurz vor seinem Tod war er ein engagierter Referent, noch im hohen Alter gab er sein umfangreiches Fachwissen mit großer Leidenschaft weiter. Mit Professor Heinz Schilcher verlieren wir einen Brückenbauer zwischen wissenschaftlicher Phytotherapie und traditioneller Kräuterheilkunde.
Forum Essenzia ist ihm zu großem Dank verpflichtet.

Seine Werke und Worte werden weiterleben