Fruchtfliegen riechen Gesundes indirekt
Ist, was gut riecht, auch gesund? Umgekehrt gilt auf jeden Fall: Bei verdorbenen Nahrungsmitteln warnt uns oft ihr unangenehmer oder fauliger Geruch. Und bei Experimenten mit Fruchtfliegen haben Forscher jetzt herausgefunden, dass diese Insekten sich von einem Duft anlocken lassen, der indirekt auf für sie und ihren Nachwuchs wichtige und gesunde Inhaltsstoffe in Früchten hinweist.
Antioxidantien sind natürliche Nahrungsinhaltsstoffe, die Körperzellen vor gefährlichen Einflüssen schützen. Sie verhindern insbesondere die Entstehung zu vieler freier Radikaler, zumeist Sauerstoffverbindungen, und somit eine Stoffwechsellage, die als „oxidativer Stress“ bezeichnet wird. Leidet ein Organismus unter oxidativem Stress, können freie Radikale seine Zellen angreifen und die Krankheitsanfälligkeit erhöhen. Zu den wichtigsten natürlichen Antioxidantien in der Nahrung gehören Hydroxyzimtsäuren. Sie sind vor allem in Früchten zu finden, also dort, wo Fruchtfliegen ihre Eier abzulegen pflegen. In Fruchtfliegen entsteht oxidativer Stress beispielsweise, wenn sie auf Giftstoffe durch schädliche Mikroorganismen in der Nahrung reagieren müssen.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und der Universität Lund in Schweden haben an Essigfliegen (Drosophila melanogaster) untersucht, wie Fruchtfliegen die Anwesenheit von Hydroxyzimtsäuren aufspüren: Sie können diese Schutzstoffe zwar nicht direkt riechen, stattdessen aber Ethylphenole, flüchtige Substanzen, die als Abbauprodukte daraus entstehen. Diese flüchtigen Substanzen aktivieren gezielt Geruchsneuronen, die sich auf den Mundwerkzeugen der Fruchtfliegen befinden. Die Wahrnehmung der Duftsignale wirkt sich direkt auf das Verhalten der Fliegen aus: Sie werden von dem Ethylphenol-Duft angelockt, nehmen vermehrt Nahrung auf und legen dort ihre Eier ab, wo die Ethylphenole die Anwesenheit gesunder Antioxidantien anzeigen.
Auch bei uns Menschen könnte es ähnliche Formen stellvertretender Duftwahrnehmung geben, vermuten die Forscher, indem als angenehm empfundene Düfte von Lebensmitteln uns indirekt Hinweise auf deren gesunde Inhaltstoffe geben: „Beim Menschen sind Düfte, die als angenehm oder lecker wahrgenommen werden, in der Tat oft wertvolle Hinweise auf gesunde oder gar lebensnotwendige Nahrungsinhaltstoffe, wie zum Beispiel essenzielle Aminosäuren, Fettsäuren und Vitamine“, erläutert Marcus Stensmyr, der die Untersuchungen in Jena geleitet hat und jetzt an der Universität Lund forscht.
Quelle: Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena


Vom Händeschütteln und Beschnuppern
Hundebesitzer kennen das: Wie viele andere Säugetiere pflegen sich auch Hunde gegenseitig zur Begrüßung ausführlich zu beschnuppern. Duftsignale spielen im Tierreich eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Bei uns Menschen gilt der Geruchssinn in diesem Bereich als weitgehend verkümmert. Wir haben ja auch eine ausdrucksreiche Gestik, Mimik und Sprache, um sozial miteinander zu kommunizieren.Wir Menschen haben Begrüßungsrituale, in denen der Geruchssinn kaum eine Rolle zu spielen scheint. Zwar kommen wir uns bei manchen körperlich durchaus sehr nahe, wie beim sich Umarmen oder dem Hauchen von Küsschen auf die Wangen. Und bei den traditionellen Begrüßungsgesten der Inuit sowie der neuseeländischen Maori, bei denen Stirn und Nasen aneinander gelegt bzw. gerieben werden, mag es sich auch um eine Art gegenseitiges Beschnuppern handeln. Aber beim Händedruck?Israelische Forscher haben bei einem „Handshake“-Experiment erstaunliche Beobachtungen gemacht. Einander die Hand zu geben ist die wohl verbreitetste Begrüßungsgeste zwischen fremden Menschen. Auch darin könnte ein Überrest vom ursprünglichen gegenseitigen Beschnuppern enthalten sein, vermuteten der Neurobiologe Idan Frumin vom Weizmann Institute of Science und seine Kollegen. Darum testeten sie zunächst, ob ein Händedruck überhaupt ausreichend Geruchsstoffe übertragen kann: Während sie Studienteilnehmern die Hand schüttelten, trugen die Wissenschaftler Handschuhe. Darauf fanden sie anschließend tatsächlich eine ganze Reihe chemischer Duftstoffe, wie sie auch bei anderen Säugetieren der Kommunikation dienen.Dann folgte das eigentliche Experiment: Die Forscher begrüßten rund 280 Freiwillige entweder mit Händeschütteln oder ohne. Die Begegnungen zeichneten sie mit versteckten Kameras auf. Es zeigte sich, dass die Probanden nach dem Händeschütteln deutlich häufiger an ihren Händen rochen als die Kontrollgruppe. Dies geschah vor allem in nicht bewusst ausgeführten, unauffälligen Gesten wie an der Nase kratzen, sich die Augen reiben oder über die Wangen streichen. Um sicher zu gehen, dass es sich bei den beobachteten Gesten tatsächlich um eine Geruchsprobe handelt und nicht etwa um eine nervöse Reaktion, prüften die Wissenschaftler auch den Luftstrom in der Nase der Probanden – mit deutlichem Ergebnis: Die Menge der eingeatmeten Luft verdoppelte sich, sobald die Teilnehmer ihre Hand ans Gesicht führten. Sie schnupperten also wirklich daran.Schüttelten die Probanden die Hand einer Person desselben Geschlechts, schnupperten sie länger und mehr als doppelt so häufig an ihrer eigenen geschüttelten Hand. Dagegen prüften sie nach einem Händedruck mit dem anderen Geschlecht seltsamerweise eher ihre andere Hand. Eine Erklärung dafür haben die Forscher nicht. Unbewusst wahrgenommene chemische Duftsignale scheinen demnach nicht nur bei der Partnerwahl eine Rolle zu spielen, wie bislang angenommen, sondern auch zur Einschätzung von Vertretern des eigenen Geschlechts.
Quelle: Weizmann Institute of Science

Weihrauch als Arzneimittel: Pharmazeuten klären entzündungshemmende Wirkung
Das Harz des Weihrauchbaums gehörte zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland, und seit der Antike wird sein aromatischer Duft in religiösen Zeremonien verwendet. Die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren machen es aber auch für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant. Davon ist Prof. Oliver Werz von der Universität Jena überzeugt. Im Rahmen eines Verbundprojekts sind Werz und sein Team dem Wirkmechanismus der Boswelliasäuren auf der Spur. Dabei konnten die Forscher zeigen, an welcher Stelle sie in das Entzündungsgeschehen eingreifen. Die Boswelliasäuren interagieren mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist. Das Prostaglandin E2 spielt u. a. bei Entzündungen im Körper und der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, erklärt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Therapie von Entzündungserkrankungen denkbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten als Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin.
In ihrer aktuellen Studie haben die Forscher auch das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen. Am verbreitetsten ist der indische Weihrauch Boswellia serrata. Er wird in der ayurvedischen Medizin schon seit Jahrtausenden eingesetzt. Jedoch ist das Harz von Boswellia papyrifera, das vorwiegend in Äthiopien, Somalia und auf der arabischen Halbinsel vorkommt, „um den Faktor zehn wirksamer“, so Prof. Werz. Bisher gibt es in Deutschland noch kein zugelassenes Medikament mit den Weihrauchwirkstoffen. Ob Weihrauch als Arzneimittel eine
Zukunft hat, hängt jedoch nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Prüfungen ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, macht Werz deutlich. Damit sind die Bäume die einzige Ressource für den Wirkstoff. Allerdings sind die Weihrauchbäume insgesamt in ihrem Bestand stark bedroht. Ohne nachhaltigen Schutz gingen der Medizin die vielversprechenden Wirkstoffe verloren.
Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena/idw

Die Sache mit dem Maiglöckchenduft
„Sex sells“ – auch das sogenannte „Maiglöckchen-Phänomen“ verdankt seine Popularität zumindest zum Teil dieser Tatsache. Mit seinem Buch „Das Maiglöckchen-Phänomen“ brachte der Bochumer Riechforscher Hanns Hatt einem breiten Publikum die Bedeutung des Geruchssinns bei Mensch und Tier nahe (ein Auszug erschien in F·O·R·U·M 34, S. 27–28). Dafür erhielt er 2010 den Communicator-
Preis der Deutschen Foschungsgemeinschaft (vgl. F·O·R·U·M 35, S. 44). Menschliche Spermien reagieren auf einen chemischen Stoff namens Bourgeonal, der an den Duft von Maiglöckchen erinnert. Das fand Prof. Hanns Hatt mit Kollegen 2003 in Laborversuchen heraus. Das „Maiglöckchen-Phänomen“ war geboren: Die Eizelle verströmt eine Art Maiglöckchen-Aroma, mit dem sie die Spermien anlockt, lautete die Hypothese. Die romantische Vorstellung, Spermien würden den Verlockungen von Maiglöckchenduft folgen und so ihren Weg zur Eizelle finden, faszinierte und geistert seither durch die Medien. Aber ähnlich wie beim Versuch, die menschliche Fortpflanzung „etwas einfacher“ mit Hilfe der Geschichte von den Bienen und Blumen zu erklären, ist die Sache auch hier in Wahrheit komplizierter. Wissenschaftler am Bonner Forschungszentrum caesar (Center of Advanced European Studies and Research) haben jetzt „das Ende des Maiglöckchen-Phänomens“ verkündet: In Wirklichkeit würden die Spermien von dem Hormon Progesteron angelockt. Auf den synthetischen Duftstoff Bourgeonal reagierten sie ähnlich wie auf das Progesteron – im Laborversuch. Was jedoch nicht heißen muss, dass die Spermien tatsächlich „riechen“ können und Duftstoffe eine Rolle bei der Befruchtung im Eileiter des weiblichen Körpers spielen. Rezeptoren, die auf Duftstoffe ansprechen,
gibt es nicht nur in der Nase, sondern auch in vielen anderen Körperzellen. Man hat sie in den Spermien gefunden, aber auch in Nerven- und sogar in Prostatakrebszellen. Welche Aufgabe sie dort haben und was sie genau bewirken, bleibt weiterhin ein aufregendes Forschungsfeld
für Wissenschaftler wie Hans Hatt und seine Kollegen.
Quellen: Laborjournal 9/12; Pressemitteilung des Forschungszentrums caesar vom 24.02.12

Entdeckungstour für die Nase
Die größte Duftausstellung Europas mit dem schönen Namen “Himmlische Düfte und Höllengestank” wurde auch im Sommer 2011 zu einem Publikumsrenner. Im Jahr zuvor hatte die Schau rund 300 000 Besucher in den Botanischen Garten von Schloss Trauttmansdorff in Meran gelockt. Nun war sie als Wanderaus- stellung im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum zu Gast. An über 50 Stationen gab es Düfte zu erschnüffeln. Mehr als 30 000 begeisterte Besucher haben in Bochum ihre Nasen in die Exponate gesteckt, Einblicke in die Parfum-Herstellung gewonnen und Interessantes aus der Duftforschung erfahren. Mit initiiert wurde die Ausstellung von dem Bochumer Geruchsforscher Prof. Hans Hatt. Anhand von acht Düften, die „unser Leben beeinflussen“, präsentierte er im Tropenhaus Ergebnisse der aktuellen Riechforschung. Wussten Sie zum Beispiel, dass Orangenduft nicht nur gute Laune macht und entspannend wirkt, sondern auch für angenehme Träume sorgen kann? Das ergaben Studien im Schlaflabor am Institut des Professors. Ferner fanden die Forscher einen Riechrezeptor, der in der Nase für die Wahrnehmung von Veilchenduft zuständig ist, auch in Prostata-Krebszellen. Als sie menschliches Krebsgewebe im Labor mit Veilchenaroma „bedufteten“, konnten sie feststellen, dass der Veilchenduft das Wachstum der Krebszellen stoppte. Diese Erkenntnis lässt sich vielleicht einmal für die Krebstherapie nutzen.
Eine andere Studie dürfte vor allem Frauen interessieren: Pampelmusenduft verjüngt in den Augen – oder besser gesagt Nasen – von Männern! Der Geruchsforscher Dr. Alan Hirsch aus Chicago testete verschiedene Düfte an Frauen und ließ Männer daraufhin ihr Alter schätzen. Frauen mit dem Duft von rosa Pampelmusen erschienen ihnen bis zu sechs Jahre jünger, als sie tatsächlich waren. Dieser Effekt beruht vermutlich auf Erfahrung: Der fruchtige Duft wird gerne in Parfums von jungen Mädchen benutzt. Weil Männer ihn bei diesen öfter wahrnehmen, verknüpfen sie den Duft mit dem Bild einer jungen Frau. Und wenn ältere Frauen diesen Duft tragen, werden sie automatisch jünger geschätzt.
Ruhr-Universität Bochum, 2011

Vom falschen Duft verführt
Shampoos, Badezusätze, Putzmittel, Weichspüler, Toilettenpapier oder Katzenstreu: Zahlreiche Produkte, die wir täglich verwenden, enthalten Duftstoffe. Diese chemisch hergestellten Duftstoffe gelangen vor allem über das Abwasser in die Umwelt. Und auch wenn sie nicht direkt giftig sind, können Spuren solcher chemischen Stoffe dort für Lebewesen gefährlich werden, vermutet Ursula Klaschka, Professorin für umweltverträgliche Produktion und umweltorientierte Unternehmensführung. Denn fast die gesamte Tierwelt – allen voran Insekten – kommuniziert auch über Gerüche. Die tierischen Duftmoleküle werden auch als „Infochemikalien“ bezeichnet. Sie setzen sich aus einer Vielzahl chemischer Verbindungen zusammen. Mit Hilfe ihres „Duftgeflüsters“ teilen sich Tiere zum Beispiel mit, wer Freund und wer Feind ist, wo sie Nahrung finden oder wann sie sich fortpflanzen müssen. Das tierische Duftgeflüster überdeckende, synthetische Infochemikalien könnten da wie Falschinforma- tionen wirken. Und wenn die „falschen Düfte“ dazu führen, dass Sexualpartner oder Nahrungsquellen nicht mehr gefunden werden, kann es das Überleben einer ganzen Art gefährden. Wie sich die Duftstoffe aus Parfums, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln auf die Kommunikation und das Leben von Tieren und Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung auswirken, ist bisher jedoch noch kaum erforscht. Die Ulmer Professorin ist eine der wenigen, die sich in Deutschland mit diesem neuen Zweig der Ökotoxikologie befassen. In der Fachzeitschrift „Nachrichten aus der Chemie“ forderte sie kürzlich, der Eintrag dieser Chemikalien in die Umwelt sollte „so gering wie möglich gehalten werden, gerade weil man bei den meisten Stoffen die umfassenden Wirkungen noch nicht kennt“.
Nachrichten aus der Chemie, 59, Juni 2011

Riechen und Schmerz - durch dasselbe Gen gesteuert
Der menschliche Geruchssinn gibt noch viele Rätsel auf. Auch die Gene, die ihn steuern, sind bisher so gut wie unbekannt. Wissenschaftler der Uni Saarland haben nun gemeinsam mit ausländischen Kollegen ein Gen identifiziert, das für die Nervenübertragung von Gerüchen ins Gehirn verantwortlich ist. Das erstaunliche dabei: Dieses Gen sorgt nicht nur dafür, dass wir Düfte wahrnehmen können, sondern auch Schmerzen. Menschen, bei denen es nicht funktioniert, fehlen diese beiden wichtigen Sinnesem- pfindungen. Seit 2006 sorgen Studien über das fehlende Schmerzempfinden bei einer bestimmten Gruppe von Patienten in der Fachwelt für Aufsehen. Diese Patienten empfinden zum Beispiel keine Schmerzen bei einem Knochenbruch. Die Wissenschaftler vermuteten als Grund eine genetische Veränderung. Tatsächlich konnte ein Gen identifiziert werden, das für das fehlende Schmerzempfinden verantwortlich ist. Es trägt die Bezeichnung SCN9A. Bei einer Mutation dieses Gens kann ein bestimmter Natrium-Ionenkanal vom Körper nicht hergestellt und in die Zellmembran schmerzempfindlicher Nervenzellen eingebaut werden. Die Folge ist, dass von diesen Nerven keine elektrischen Reize ins Gehirn weitergeleitet werden und deshalb im Gehirn kein Schmerzempfinden ausgelöst wird. Dieser Natrium-Kanal ist auch in den olfaktorischen Sinneszellen der Nase besonders häufig vorhanden. „Wir haben uns gefragt, ob derselbe Natrium-Ionenkanal auch für die Funktion der Nervenzellen im Riechsystem wichtig sein könnte“, erläuterte der Leiter der Studie, Professor Frank Zufall vom Institut für Physiologie der Universität des Saarlandes, das Vorgehen der Forscher. Dazu wurde das Gen in den Riechsinneszellen von Mäusen ausgeschaltet. Tatsächlich zeigten diese Mäuse, genau wie die Patienten mit einem veränderten SCN9A-Gen, einen völligen Ausfall ihres Geruchssystems. Ein Zustand, der als „generelle Anosmie“ bezeichnet wird. „Vielleicht gibt es ja auch Patienten mit angeborener Taubheit oder Blindheit, die gleichzeitig nicht riechen können“, vermutet Professor Zufall. Er will deshalb nach Genmutationen suchen, die zu solchen Defekten führen – und hofft, so weitere Gene zu entschlüsseln, die für das Riechen verantwortlich sind.
Informationsdienst Wissenschaft, Universität des Saarlandes, 03.11

Duftöl-Mikrokamseln warnen vor Rissen in Bauteilen
Mit einer „dufte(nden) Idee“ sind Fraunhofer-Forscher zu Preisträgern im bundesdeutschen Wettbe- werb „365 Orte im Land der Ideen“ 2011 geworden. Sie entwickelten ein Verfahren, das Gerüche ausströmen lässt, sobald sich in Kunststoff-Bauteilen Risse bilden. Verantwortlich für den Geruch ist ein in 10 bis 50 Mikrometer kleinen Kapseln eingeschlossenes Duftöl. Das Projekt mit dem Namen „Geruchsinduziertes Erkennen kritischer Risse“ startete ein Team am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg, gemeinsam mit dem Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen. Das Forscherteam arbeitete die Mikrokapseln als Zusatz in eine Polypropylenmasse ein. Diese Masse kann anschließend im Spritzgussverfahren zum endgültigen Bauteil verformt werden. Bei Schäden an diesem Bauteil brechen die Kapseln auf und setzen den Duftstoff frei. Auch feinste Risse an Kunststoff-Bauteilen lassen sich so frühzeitig „erschnuppern“ – zum Beispiel in defekten Kunststoffrohren für die Wasser- und Gasversorgung, Waschmaschinen-Schläuchen, Bau-, Motorradoder Fahrradhelmen. Künftig werden sich also Radler Helme kaufen können, die zu riechen anfangen, wenn sie beschädigt sind.
Informationsdienst Wissenschaft (idw), Fraunhofer-Gesellschaft, 2011

Geranienduft als Valiumersatz
Kann der Duft von Gardenia jasminoides, einer beliebten Zimmerpflanze, chemische Beruhigungsmittel wie Valium ersetzen? Die Ergebnisse einer Studie, an der auch der bekannte Bochumer Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt beteiligt war, lassen dies zumindest vermuten. Die Wissenschaftler entdeckten, dass der Duftstoff Vertacetal-coeur und dessen chemische Variante (PI24513) den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben wie die häufig verschriebenen Psychopharmaka. Diese verstärken die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure), indem sie an dessen Rezeptoren andocken, die an Kontaktstellen von Nervenzellen (Synapsen) im Gehirn liegen. „Wir haben eine neue Klasse von GABA-Rezeptormodulatoren entdeckt, die sowohl parenteral verabreicht als auch durch die Atemluft wirken“, sagt Prof. Hatt. „Man kann sich Anwendungen in der angstlösenden, beruhigenden, erregungs- und aggressionsdämpfenden oder schlafanstoßenden Therapie vorstellen.“ Und, mindestens ebenso wichtig: Die Ergebnisse lassen sich zugleich als „Nachweis einer wissenschaftlichen Grundlage der Aromatherapie“ sehen, wie der Zellphysiologe bestätigt. Die Forscher testeten mehrere hundert Duftstoffe hinsichtlich ihrer Wirkung auf GABA-Rezeptoren von Mensch und Maus. Das im jasminähnlichen Duft der Gardenienblüte enthaltene Vertacetal-coeur wirkte dabei am stärksten – ähnlich stark wie die bekannten Medikamente. Die Wissenschaftler haben sogleich ein Patent auf ihre Entdeckung angemeldet. Sie wollen nun versuchen, durch Veränderung der chemischen Struktur der Duftmoleküle eine noch stärkere Wirkung zu erzielen. Die Gardenie, bei uns früher wegen ihrer Nutzung auch „Knopflochblume“ genannt, stammt ursprünglich aus Ostasien. Sie wird als natürlicher Aromastoff in Tees verwendet und auch in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt. Das ätherische Öl der Gardenie gibt es als Absolue oder Concrète aus China oder Indien, meist wird es jedoch synthetisch hergestellt.
Ruhr-Universität-Bochum; Journal of Biological Chemistry, 2010

Australier entwickelt Anti-Stress-Spray
Den Duft von frisch geschnittenem Gras haben australische Forscher als wirksames Anti-Stress-Mittel identifiziert und in Flaschen abgefüllt. Es wird als beruhigendes Duftspray unter dem Namen „SerenaScent“ nun von einer Firma in Sydney online vertrieben. Das Spray ist das Ergebnis langjähriger Forschungsarbeit von Dr. Nick Lavidis und Professor Rosemarie Einstein an der University of Queensland. Seine Entwicklung basiert auf der Erkenntnis, dass beim Schneiden von Gras und grünen Blättern mindestens fünf Chemikalien freigesetzt werden, die stressreduzierende Eigenschaften haben. SerenaScent enthält drei dieser Chemikalien und soll helfen, die negative Wirkung von Stress auf das Nervensystem zu reduzieren. Anhaltender negativer Stress kann zu einer Reihe ernsthafter Erkrankungen, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herzproblemen, Gedächtnisverlust, Angstzuständen und Depressionen führen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Der beruhigende Duft wirkt direkt auf das Gehirn, insbesondere auf die für Emotion und Gedächtnis verantwortlichen Bereiche Amygdala und Hippocampus. Diese beiden Bereiche sind Teil des limbischen Systems und unter anderem für das Hormonsystem mitverantwortlich, das die Ausschüttung von Stresshormonen, wie Kortikosteroiden, steuert. Begonnen hat alles vor zwanzig Jahren bei einem Urlaub im Yosemite National Park in den USA. „Drei Tage im Park fühlten sich an wie ein dreimonatiger Urlaub“, so Dr. Lavidis. „Damals war ich mir nicht bewusst, dass meine Entspanntheit auf die von den Nadelbäumen abgesonderten Wohlfühl-Chemikalien, die üppige Vegetation und das geschnittene Gras zurückzuführen waren. Erst Jahre später machte es Klick, als ein Nachbar mich auf den wohltuenden Duft meines frisch gemähten Rasens ansprach.“ idw; Institut Ranke-Heinemann/Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund, 2010

Duftende Briefmarken
Lust darauf, wieder öfter mal Briefe zu schreiben, sollen die duftenden Wohlfahrtsmarken der Deutschen Post machen: Sie haben die Motive Apfel, Erdbeere, Zitrone und Heidelbeere und verströmen einen intensiven Obst-Duft, wenn man daran rubbelt. Es handelt sich dabei um synthetische Duftstoffe, die mikroverkapselt auf die Marken aufgebracht wurden. Der Erlös aus dem Verkauf kommt den Wohlfahrtsverbänden AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland zugute. Das Finanzministerium, das als Herausgeber für die Wohlfahrts-Ätherischemarken verantwortlich ist, hat versichert: Die Düfte sind nicht gesundheitsschädlich und wurden von einem neutralen Institut auf ihren allergenen Gehalt hin untersucht. Dennoch sehen Allergiker und chemikaliensensitive Menschen die neuen Duft-Marken nicht ganz unproblematisch. Sie reagieren oft schon auf geringste Spuren synthetischer Düfte mit Beschwerden. Die Mitglieder des „Chemical Sensitivity Networks“(CSN) haben sich deshalb bereits in einem Brief an das Finanzministerium über die Wohlfahrtsmarken beschwert.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege; CSN-Blog, 2010

Lavendelöl als Anxyolytikum
Lavendelöl ist in der Aromatherapie als bewährtes Mittel vor allem gegen Schlafstörungen bekannt. Weniger bekannt ist, dass man Lavendelöl auch innerlich einnehmen kann und dass es so das Potenzial besitzt, als neues „Phyto-Anxiolytikum“ Angststörungen wirkungsvoll zu bekämpfen. Auf dem 7. Berliner Phytotherapie-Kongress im Herbst 2009 berichtete Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien über die Ergebnisse neuer Studien zur Wirksamkeit von Lavendelöl gegen Angststörungen und sorgte damit für große Aufmerksamkeit. Getestet wurde ein neues Präparat namens Silexan. Es enthält nach Angaben des Herstellers durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl aus den Blüten von Lavandula angustifolia.
In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde das Lavendelöl mit dem Benzodiazepin Lorazepam verglichen. Über sechs Wochen erhielten Patienten mit generalisierter Angststörung einmal täglich eine Kapsel mit 80 mg Silexan. Das Ergebnis: Nach zweiwöchiger Einnahme hatte das Lavendelöl eine vergleichbare anxiolytische (angstlösende) Wirksamkeit wie Lorazepam (0,5 mg/d).
Damit hätten Angstpatienten eine gut verträgliche, nicht süchtig machende Alternative zu den nicht ungefährlichen „Benzo“-Beruhigungsmitteln, die ein hohes Suchtpotential haben. Als einzige Nebenwirkungen des Lavendelöls sind bisher häufiges Aufstoßen und leichte Magen-Darm-Beschwerden bekannt. Seit 1. Februar 2010 ist das Mittel rezeptfrei in Apotheken erhältlich.
Zeitschrift für Phytotherapie 2009, 30: 310–311; Spitzner Arzneimittel GmbH

Preisgekrönter Duftgarten
Eine 400 Jahre alte Parfümrezeptur Königin Elisabeths I. inspirierte die Briten Laurie Chetwood, Architekt, und Patrick Collins, Landschaftsarchitekt, zu einem ungewöhnlichen Duftgarten, der bei der diesjährigen Chelsea Flower Show in London die Goldmedaille für den kreativsten Schaugarten erhielt. Wer vom 19. bis 23. Mai 2009 die weltberühmte Gartenausstellung besuchte, konnte sich auf eine olfaktorischen Zeitreise begeben, die bis zu den Anfängen der Parfümgeschichte führte. „Wir wollen den Besuchern den Zauber und die Geschichte von Parfüm zeigen. Wir wollen ihnen ermöglichen, unseren Garten mit ihren Sinnen wahrzunehmen, die Düfte zu riechen, und zu erfahren, wie Parfüm gemacht wird“, so Chetwood zur Eröffnung der Blumenschau. Von Duftpflanzen, die bereits die alten Griechen und Römer schätzten, um wohlriechende Essenzen daraus zu gewinnen, bis zu floralen Ingredienzen, die erst in unserer Zeit von der Parfümindustrie „entdeckt“ wurden, präsentierte die ideenreich gestaltete Anlage die ganze eindrucksvolle Vielfalt historischer und moderner Parfümpflanzen. Natürlich durften in dem Schaugarten weder die Essig-Rose (Rosa gallica) noch die Iris (Iris germanica) fehlen, die zu den ältesten und bekanntesten Duftpflanzen überhaupt zählen, gefolgt vom Schopflavendel (Lavandula stoechas), dessen ätherisches Öl vermutlich um 60 n. Chr. erstmals destilliert wurde. Arabische Parfümeure favorisierten wenige Jahrhunderte später für ihre Kreationen Damaszener-Rosen (Rosa damascena) und Hyazinthen (Hyacinthus orientalis). Aber auch eher unbekannte Duftlieferanten fanden ihren Platz im Parfümgarten von Chelsea, wie etwa der Gewöhnliche Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), aus dessen Rhizomen ein Extrakt gewonnen wird, das Fougère-Parfüms eine erdige, männliche Note verleiht. Der Duftgarten kann übrigens virtuell noch immer besucht werden – wenn auch leider ganz ohne Duft.
www.rhs.org.uk, www.bbc.co.uk, 19.5.2009

Pfefferminzöl wirkt als Spasmolyt
Das Reizdarm-Syndrom ist eine häufige Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen, chronische Verstopfung, Durchfall oder abwechslungsweise beides. Zur therapeutischen Behandlung werden sowohl krampflösende Medikamente (Spasmolytika) eingesetzt, als auch Ballaststoffe und pflanzliche Mittel wie das ätherische Öl der Pfefferminze. Letzteres wirkt am besten in Kapselform eingenommen, weil es so erst im Darm freigesetzt wird.
Kanadische und US-amerikanische Gastroenterologen haben verschiedene Studien zum Einsatz von Spasmolytika, Ballaststoffen und Pfefferminzöl bei Reizdarm ausgewertet und die Wirksamkeit der Therapien verglichen. Dabei stellte sich heraus: Pfefferminzöl ist am wirksamsten, sogar noch wirksamer als chemische Spasmolytika. Am wenigsten half faserreiche Kost mit vielen Ballaststoffen, wie zum Beispiel Flohsamenschalen oder Weizenkleie, gegen die lästigen Beschwerden.
Zeitschrift für Phytotherapie 2009; 30: 315

Pheromone beleben Roboter im Kakerlakenreich
Wissenschaftler, die mit Kakerlaken arbeiten, tun sich nicht immer leicht damit, ernst genommen zu werden. Dabei mutet es fast wie Science-Fiction an, was Jean-Louis Deneubourg von der Freien Universität Brüssel in Zusammenarbeit mit der Ecole polytechnique fédérale (Lausanne) im Experiment herausfand:
Ein Miniroboter, getauft auf den Namen InsBot (von insect-robot), kann allein, ohne menschliches Eingreifen (!), das Verhalten einer ganzen Kakerlaken-Gesellschaft beeinflussen und verändern! Unter zwei Voraussetzungen: dass er erstens wie eine echte Kakerlake kriecht und zweitens wie eine solche duftet.
Pheromone machen es möglich, dass ein banaler, drei auf vier Zentimeter großer und mit Elektronik bestückter Würfel von einer Kakerlaken-Schar als Artgenosse behandelt wird und sogar das Verhalten der Gruppe bestimmen kann. So bevorzugen Kakerlaken normalerweise dunkle Räume als Aufenthaltsort. Doch wenn man eine bestimmte Anzahl von InsBot-Robotern unter die Krabbeltiere mischt und sie darauf programmiert, helle Orte aufzusuchen, dann sammelt sich die ganze Kakerlaken-Gesellschaft plötzlich am hellen Ort – nur um das Vergnügen zu haben, alle zusammen zu sein!
Abgesehen davon, dass ein Kammerjäger sich leichter tut, Ungeziefer an hellen Orten zu finden, eröffnet diese Entdeckung auch in anderen Bereichen neue Anwendungsmöglichkeiten. So wäre es vorstellbar, mit solchen pheromonbestückten Minirobotern intelligente Fallen zu bauen, oder automatische Vogelscheuchen, um beispielsweise Vögel von Flughäfen fernzuhalten, oder sogar künstliche Schäferhunde zur Überwachung von Herden. An einer künstlichen Henne wird unterdessen bereits gearbeitet. Sicher haben wir noch so manche Entdeckung zu erwarten im lange unterschätzten Reich der Düfte und der Pheromone!
Le Monde, 18./19.6.2006

Parfums sind Kunstwerke
Mit Duftfläschchen und Essenzen statt mit Pinsel, Bleistift oder Klavier hantieren sie, die Künstler oder „Nasen“, die ein neues Parfum kreieren. Dass dafür Kreativität nötig ist, mag wohl niemand bestreiten. Doch bisher wurde solch einem Werk, dem Ergebnis der olfaktorischen Schöpferkraft eines Menschen, kein Urheberschutz gewährt. Was für Dichter, Musiker und Maler selbstverständlich ist, stand für Duftkünstler nie zur Debatte – vielleicht auch ein Hinweis darauf, wie wenig Bedeutung unsere Kultur lange Zeit dem Geruchssinn einräumte. Jetzt jedoch fordern Erfinder von Parfums, auch ihre Kreationen vor Nachahmern zu schützen und ihnen eine Art „Copyright“ einzuräumen.
Erstmals gab ihnen ein Gericht nun Recht. Die juristische Entscheidung des Pariser Berufungsgerichts vom 25. Januar dieses Jahres bedeutet für die kreativen „Nasen“, dass ihre Arbeit endlich als künstlerisches Werk Anerkennung findet. Sie bedeutet auch, dass sie ihr Urheberrecht nun vor Gericht einklagen und eine finanzielle Beteiligung von den Firmen fordern können, deren Produkt einem ihrer Urheberschaft entsprungenen Duft zu ähnlich ist.
Anlass für den Rechtsstreit war eine Klage von L’Oréal gegen die belgische Firma Bellure, die mit Parfums wie Pure Black, La Valeur oder Arrivederci Düfte vermarktet, die den L’Oréal-Kreationen Drakkar noir (Guy Laroche), Trésor (Lancôme) und Acqua di Gio (Giorgio Armani) nachempfunden sind. Noch im Jahr 1975 hatte ein Gericht eine ähnliche Klage der Firma Rochas mit der Begründung abgelehnt, dass Parfums nichts als chemische Mischungen seien, keineswegs also kreative Werke wie beispielsweise Romane.
Doch mit dem zunehmenden Interesse für Düfte, Aromatherapie und den Geruchssinn änderten auch Juristen ihre Einschätzung, sodass im Mai 2004 das Pariser Gericht in erster Instanz urteilte, dass „die von einem Parfumerfinder kreierte Komposition“ durchaus „mit einem Musikstück zu vergleichen sei“, dass außerdem „ein Parfum die ästhetische Kreation einer einzigartigen Zusammenstellung duftender Substanzen und daher ein kreatives Werk sei.“
Allerdings sah sich der Richter nicht in der Lage, darüber zu urteilen, ob die Parfums von Bellure wirklich Kopien der L’Oréal-Kreationen sind. In zweiter Instanz konnte der Kosmetikkonzern jedoch eine Reihe chemischer Analysen vorlegen, die bewiesen, dass eines der Bellure-Parfums immerhin stolze 50 der insgesamt 52 Inhaltsstoffe seines L’Oréal-Vorbilds enthält. Das Gericht hielt dieses Argument für überzeugend und verurteilte Bellure, mehr als eine Million Euro Schadenersatz an L’Oréal sowie die Gerichtskosten zu zahlen.
So wurde L’Oréal zum Vorkämpfer der Parfumerfinder, die sich nun als Künstler betrachten und Urheberschutz einfordern dürfen für ihre „geistigen Erfindungen“.
Libération, 20.6.2006

Bei Anruf Duft
Das leidige Klingeln von Handys in Supermärkten und Umkleidekabinen, in Restaurants, Zügen und auf Flughäfen könnte schon bald durch zarte Düfte ersetzt werden, die den Nasen der Handy-Nutzer individuelle Geruchssignale geben, wenn ein Anrufer zum Gespräch bittet. So jedenfalls stellt sich das Andreas Paul Wüllner aus dem niedersächsischen Brietlingen bei Lüneburg vor.
Schon liegt bei dem gelernten Elektroniker der handgefertigte Prototyp eines Handys mit Duftchip bereit. Orchideen- oder Rosenduft, die neuesten Kreationen von Laura Biagiotti und Dior oder auch eine Kräuteressenz, die bei jedem Anruf mit einer Prise die verschnupfte Nase freimacht - so soll die "bahnbrechende" Erfindung funktionieren. Schließlich könnten beruhigende Düfte bei Handy-Besitzern sogar einen Stressabbau bewirken, glaubt er. "Wohlgerüche machen in jedem Fall gute Laune. Statt nervende Klingeltöne zu ertragen, könnte sich jeder mit seinem Lieblingsparfüm verwöhnen lassen", schwärmt der Erfinder. Und: "Man könnte den Chip sogar nur bei bestimmten Anrufern duften lassen."
Das Konzentrat soll auch während des Telefonats noch wirken. Der einer kleinen Öffnung am Geräterücken entströmende Duft verbreitet sich nur im Umkreis von einem Meter. "Das hat den Vorteil, dass niemand belästigt wird", meint Wüllner. Die erforderliche Elektronik hat der Tüftler mit Hilfe einer Lupe in die Rückwand des Handys montiert. Für die bereits als Gebrauchsmuster zertifizierte Idee hat Wüllner jetzt auch das internationale Patent beantragt. Sobald er es sich gesichert hat, will er eine Firma gründen, die Lizenzen an Hersteller von Mobilfunk-Telefonen und Parfüms verkauft.
Lutz Reinfeld, Filialleiter eines Telefon-Shops in Lüneburg, sieht das wohlriechende Gerät eher als Spaß an. Beim Essen oder bei Besprechungen allerdings hält er es für eine Belästigung. Außerdem: "Ich möchte keinen Anruf verpassen. Duft geht höchstens in Verbindung mit Vibrationsalarm, sonst ist das an der Praxis vorbei", meint der Handy-Spezialist.
Und auch bei der Leiterin einer Parfümerie stößt die Erfindung noch nicht auf ungeteilte Zustimmung: "Keiner hat nur einen Lieblingsduft. Dem Bedürfnis noch häufigem Wechsel des Parfüms und den ständig neuen Duftkreationen kann man damit sicher nicht nachkommen", glaubt sie.
Lüneburg - dpa

Kuriose Auszeichnungen
Düfte und Aromen bringen Innovation: Prämiert wurden kürzlich von den Verbraucherorganisationen verschiedener Länder folgende neue Produkte: nach Erdbeer duftende Fischwurst, Kartoffelchips mit Spargelgeschmack, eine sich jedem Geschmack anpassende Sauce, Essen in Gelform für alternde (zahngeschädigte) Konsumenten, Kaugummi mit Anti-Karies-Schutz und Rauchabgewöhnungseffekt, Whisky mit herzstärkenden Polyphenolen aus spanischen Eichenfässern …
Le Monde, 14.9.2005

Zum Schmunzeln und Wundern
Unter der Rubrik „Was es nicht alles gibt!“ einzuordnen ist die Nachricht vom Parfum namens Flowerbomb (L’Oréal), das in einem Flakon in Form einer Handgranate angeboten wird und im Osloer Flughafen ab sofort nicht mehr verkauft werden darf. Die Flugplatzverwaltung traf diese Entscheidung, nachdem eine Norwegerin am Flugplatz Beauvais von französischen Sicherheitskräften aufgehalten wurde, weil sie eine Bombe im Handgepäck trug. Die „Flowerbomb“ („Blumenbombe“) durfte sie jedoch schließlich behalten …
Die Osloer L’Oréal-Vertretung zeigte sich erstaunt:
Immerhin existiere dieses Parfum im Bombenflakon bereits seit zwei Jahren überall in der Welt, und nirgends habe es bisher Probleme gegeben …
Agence France Presse (AFP), 25.4.2006

Sonnenschutz als dem Urwald
Aus Brasilien erreichte die Pariser Zeitung Le Monde kürzlich eine gute Nachricht für naturbewusste, gewissenhafte Sonnenanbeter: Dort konnte der Pharmazie-Professor Silva Berlanga de Moraes Barros nach 30-monatiger Forschungsarbeit im Labor nachweisen, dass die einheimische Pflanze Pariparoba bestimmte Substanzen enthält, mit deren Hilfe sie sich vor ultravioletter Strahlung schützt.
Dieser Schutz funktioniert auch bei menschlicher Haut. Nur allzu verständlich, dass eine solche Meldung bei der Kosmetikindustrie großes Interesse auslöste. Auch weil Pariparoba in der mata atlântica, dem tropischen Wald an der brasilianischen Atlantikküste, sehr häufig vorkommt und daher kein Mangel an Rohmaterial besteht, um die pflanzlichen Substanzen in Sonnenschutzprodukten zu verarbeiten. Das staatliche Forschungsinstitut von São Paolo entschied Ende letzten Jahres, die entsprechenden Forschungsergebnisse privaten Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Sie wählte dafür die für ihr Umweltbewusstsein und ihre sozialen Geschäftspraktiken bekannte brasilianische Kosmetikfirma Natura aus und übertrug ihr die Rechte, die gewinnversprechenden Erkenntnisse der Universitätsfakultät industriell und kommerziell zu nutzen.
Le Monde, 18.8.2005

Olfaktorisches Marketing im Test
Vom olfaktorischen Marketing – der Imagepflege und Werbung mittels Düften – versprechen sich Firmen, Hotels und Agenturen bedeutende Umsatzsteigerungen. Aber funktioniert es wirklich? Welche Wirkung hat das Verstäuben von Düften auf den Verbraucher? Das wurde in einem französischen Einkaufszentrum erstmals in großem Maßstab getestet: Zehn Tage lang beobachtete und befragte man in der einmal bedufteten, einmal nicht bedufteten Abteilung für Dekoration des Conforama-Ladens in Balma (Haute-Garonne, Südfrankreich) 156 Kunden. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend, denn im Gegensatz zu vorherigen Experimenten veranlasste die Beduftung die Kunden weder, länger zu bleiben, noch, mehr zu kaufen. Wohl aber empfanden die Konsumenten den Aufenthalt in der Abteilung angenehmer, wenn sie duftete (dann blieben 10 % der Kunden dort stehen, sonst nur 4 %). Außerdem gaben 84 % (gegenüber 78 %) an, zurückkommen zu wollen. 62 % der Verbraucher bemerkten die Beduftung, und 97 % von ihnen empfanden sie als angenehm.
Angesichts dieser Ergebnisse werden duftende Supermärkte bald wohl genauso selbstverständlich sein wie mit Musik beschallte …
BVA, Juni 2006

Geschmack und Geruch zum Ausdrucken
Ein Zusatzgerät für den Computer, das Geschmacksstoffe und Düfte ausdruckt, wird im Mai vom amerikanischen Unternehmen TriSenx auf den Markt gebracht, wie das Wissenschaftsmagazin New Scientist kürzlich berichtete. Der Spezialdrucker arbeitet mit einer Patrone, die statt Tinte 200 verschiedene Aromen auf Wasserbasis enthält. Ein Druckkopf trägt die Substanzen in wechselnden Kombinationen auf Faserkarton auf. Damit können mehr als tausend unterschiedliche Düfte erzeugt werden. Das Gerät könnte es in Zukunft ermöglichen, ein neues Parfüm zu testen, bevor es via Internet bestellt wird. Zum knapp 300 Dollar teuren Gerät wird auch eine spezielle Software mitgeliefert, die den Ausdruck versehentlich gemixter, schlechter Gerüche verhindert.
TriSenx plant in weiterer Folge, das Gerät für essbares Papier aufzurüsten, um auch Geschmacksstoffe ausdrucken zu können.
pte/ddp - London

Honigduft der Unschuld als sexuelle Abschreckung
Elefanten erkennen den sexuellen Status ihrer Artgenossen an deren Geruch, berichten Bets Rasmussen und Kollegen von der Oregon Health and Science University in Volume 415 (2002) der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature. Demnach signalisieren junge Elefantenbullen älteren Artgenossen mit einem süßen Duft, dass sie noch nicht geschlechtsreif und daher keine Konkurrenz sind. Für Elefantenkühe ist der Geruch ein Hinweis, dass der junge Bulle noch eine Weile benötigt, bis er interessant sein könnte. Die aus Drüsen zwischen Augen und Ohren abgesonderten Sekrete riechen wie Honig und enthalten ähnliche Duftstoffe. Aus den gleichen Drüsen sondern ausgewachsene Bullen in einer Phase erhöhter Paarungsbereitschaft und Aggressivität ebenfalls Duftstoffe aus. Diese riechen aber unangenehm faulig und vertreiben andere Bullen. Weibchen fühlen sich von dem strengen Geruch angezogen. Nachdem Forscher die chemische Zusammensetzung der Duftstoffe junger und alter Bullen kennen, grübeln sie nun, wie sie mit den Substanzen Elefanten vom Plündern indischer Äcker abhalten können.
SZ - München, 2002

Parfüm nach Maß
In New York sind sie ein Renner, die Parfums nach Maß, entdeckte das italienische Magazin Oggi. Mehr als 1300 verschiedene Düfte kreierte Christopher Brosius bereits in seiner New Yorker Boutique. Die meisten seiner Kunden sind auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geruch aus ihrer Kindheit, der freilich nicht immer auch die Nasen anderer Mitmenschen verführt. Zu den seltsamsten Wünschen, die der Parfümeur zufrieden stellen konnte, gehörten die Duftnoten Regenwurm, geräucherter Lachs, Schimmel, Sägemehl ... Sehr becircend? Aber sicher nie der Massengeschmack. Und so bleibt es dann bestimmt beim ganz persönlichen, einzigartigen Parfum.

Stinktieröl soll Frauen schützen
In Schweden können sich Frauen jetzt mit Stinktier-Öl vor Vergewaltigern schützen: Die kleine Gasampulle mit der übel riechenden Flüssigkeit könne um den Hals getragen werden, sagte die Sprecherin einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer. Ein Sextäter lasse schnell von seinem Opfer ab, wenn es wie ein Stinktier rieche. Der Gestank beschere zwar auch dem Opfer Übelkeit. Dies sei jedoch allemal besser, als vergewaltigt zu werden. Das Stinkmittel soll für ca. 68 Euro verkauft werden.
Reuters - Stockholm

Duft des Eisprungs macht Männer blind
Liebe macht blind. Wiener Forscher haben den wissenschaftlichen Beweis. Obwohl es, genau genommen, nicht die Liebe im Allgemeinen ist, die Männer blind macht. Vielmehr ist es ihr Trieb, sich zu reproduzieren. Riechen Männer vaginale Duftstoffe von Frauen in der Zeit um den Eisprung, werden auch weniger attraktive Frauen für das starke Geschlecht begehrenswert.
"Lässt man einen Mann Kopuline riechen, bricht seine Fähigkeit, die Attraktivität zu beurteilen, völlig zusammen", sagt Professor Karl Grammer vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie in Wien. Kopuline sind ein Gemisch kurzkettiger Fettsäuren im Vaginalsekret von Frauen.
Der Wiener Verhaltensforscher weiter zum Ergebnis seiner Untersuchungen: "Es findet eine Art chemischer Kriegsführung zwischen den Geschlechtern statt, die auf einer Ebene abläuft, die kognitiv nicht zugänglich ist."
nke/cod - Lübeck

Mit Aromen gegen Mücken
Die internationale Mückenwelt sei gewarnt! Jetzt wird starkes Geschütz aufgefahren gegen die stechenden Störenfriede aller Campingfreunde: Wie die Pariser Zeitschrift Madame Figaro berichtet, hat die Firma Wilsa-Sport einen Anti-Mücken-Schlafsack auf den Markt gebracht, dessen Imprägnierung die Mücken abschreckt, für den Schläfer aber angenehm riecht und völlig unschädlich ist. Die Imprägnierung des Schlafsacks mit Chrysanthemenextrakt verströmt einen für Mücken unerträglichen Duft. Nach fünfmaligem Waschen verwandelt sich die Imprägnierung in ein Insektizid, das jede Mücke bei Kontakt mit dem Schlafsack sofort tötet. Wer auf diese Art mit Aromen den Kampf gegen Mücken aufnehmen will, muss für solch einen Schlafsack rund 45 Euro hinblättern ... wo, das erfährt man unter der Telefonnummer 0033 3 20 90 41 70, allerdings in französischer Sprache.

Kräutermix nimmt Faeces den Gestank
Üblen Gerüchen in der Toilette soll künftig mit einer Kräutermischung der Garaus gemacht werden, die sich das japanische Unternehmen Takasago Corporation hat patentieren lassen. Noch dem Verzehr dieser Kräutermischung soll der menschliche Stuhl deutlich besser riechen - und ebenso der Kot von Tieren -, berichtete die Zeitschrift New Scientist. Der Kräutermix enthält unter anderem Rosmarin, Sonnenblumenund Weintraubenkerne, Apfel- und Karottenblätter - und als einen Hauptbestandteil gemahlene Kaffeebohnen.
Wurde dieses Gemisch dem Futter von Hunden beigefügt, habe deren Kot im Vergleich zu Ausscheidungen von normal gefütterten Hunden deutlich weniger übelriechende Gase wie Schwefelwasserstoff enthalten, berichtet das japanische Unternehmen. Für den menschlichen Stuhl sei die desodorierende Wirkung beispielsweise nach dem Genuss von knoblauchgewürztem Steak belegt worden.