SOS Hexenschuss

In dem Buch geht es nicht nur um Hexenschuss, sondern um alle möglichen Alltagsbeschwerden, wegen derer man nicht gleich einen Arzt aufsucht. Es ist die Aufforderung und Anregung an jeden, die Gaben der Natur sinnvoll und mit dem nötigen Respekt für die eigene Gesundheit einzusetzen.
Dabei ist es wichtig, sich selbst zu beobachten und die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung zu erkennen. Insofern macht es Mut zum eigenverantwortlichen Umgang mit der körperlich-geistig-seelischen Gesunderhaltung. Das Buch gliedert sich in die Kapitel Warenkunde, Rezepte
nach Beschwerden, allgemeine Rezepturen und einen tabellarischen Anhang zu ätherischen Ölen, Hydrolaten, Fetten und Ölen sowie Kräuteranwendungen.
Gleich zu Anfang macht die Autorin klar, dass es hier nicht um hohe Wissenschaft und evidenzbasierte Medizin geht, sondern um traditionelle Volksheilkunde mit ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Gleichwohl hat sie viele Rezepte selber entwickelt. Dies spricht einen medizinischen
Laien eher an als eine mit Fachbegriffen gespickte wissenschaftliche Abhandlung. Genau darum geht es nämlich in dem Buch – eine breite Bevölkerung anzusprechen.
Das Kapitel Warenkunde ist eher knapp gehalten. Es beschreibt Vorkommen und Gewinnung ätherischer und fetter Öle und der Hydrolate sowie wichtige Qualitätsmerkmale und die Haltbarkeit. Danach folgt ein kurzer Abschnitt zum Verständnis der Inhaltsstoffgruppen.
Hieran gliedert sich das Herzstück des Buches, nämlich die Rezepte nach Beschwerden. In bunt gemischter Reihenfolge werden u. a. besprochen: Hexenschuss, Schulter- und Nackenbeschwerden, Tennisarm, Knie-, Fuß-, Venenprobleme, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Wechseljahresbeschwerden, Hämorrhoiden, Stress und Burn-Out sowie jahreszeitlich bedingte Beschwerden. Den Abschluss dieses Teiles bildet ein Wellness-Kuschelprogramm. Wo erforderlich, weist die Autorin auf Gefahren bei der Anwendung der beschriebenen Öle und Kräuter hin.
Die Autorin schreibt sehr lebendig und leicht verständlich, fast in der Art einer Unterhaltung im Wohnzimmer. Das geht allerdings zulasten eines strukturierten Aufbaus, besonders wenn man immer wieder vom besagten „Hölzchen aufs Stöckchen“ kommt. Kleine Episoden, etliche Zitate und weise Aussprüche bekannter Persönlichkeiten sowie viele Ratschläge von der (Ur-)Großmutter sind eingestreut.
Im Abschnitt „Allgemeine Rezepturen“ wird zunächst die Herstellung einiger Grundrezepte wie Mazerat, Balsam (hier als Synonym für eine weiche wasserfreie Salbe verwendet), wasserhaltige Creme und Lotion beschrieben. Aufbewahrung und Haltbarkeit sind dabei angegeben. Es folgen Rezepturen nach Themengebiet, wobei das jeweilige Thema zu Beginn kurz umrissen wird. Die Herstellung der Rezepturen gestaltet sich von einfach über kompliziert und zu Hause praktisch nicht durchführbar (Heimdestille zur Hydrolatherstellung) bis hin zu abenteuerlich anmutenden Beschreibungen (z. B. Walnuss-Salbe gegen Haarausfall nach Pfarrer Weidinger). Daran schließen sich Rezepturen für Duftlampenmischungen, Tinkturen, Teerezepte
und sogar Kochrezepte an.
Bevor das Buch mit einer Übersichtstabelle für ätherische Öle, Hydrolate, Fette und Öle sowie Kräuter schließt, geht die Autorin auf die verschiedenen Formen der Raumbeduftung mit dem entsprechenden Zubehör ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Buch stellt ein buntes Potpourri aus Volksheilkunde und traditionell überliefertem Heilwissen dar. Die lockere Erzählweise, der wenig strukturierte Aufbau und die Rezepturen können den Leser oder die Leserin schon ein wenig schwindelig machen. Dennoch
spricht daraus die eindeutige Botschaft, wieder mehr in und mit der Natur zu leben, sie zu respektieren und als großes Geschenk anzunehmen.
Gisela Hillert, Sonthofen Apothekerin, Aromaexpertin