Naturkosmetische Rohstoffe

Die Autorin Heike Käser hat in diesem Buch eine Fülle von Rohstoffen zusammengestellt und beeindruckt durch die vielen unterschiedlichen Betrachtungsweisen. Das Erste, was dem Leser auffällt, wenn er das Buch in die Hand nimmt, sind neben den Pflanzenbeschreibungen die zahlreichen, sehr genauen Pflanzenfotografien, die Lust auf das Durchblättern machen. Einen Eindruck von der großen Bandbreite des Buches verschafft auch der Blick auf das ausführliche Inhaltsverzeichnis.
Die Chemie der Pflanzenöle wird kurz, aber einleuchtend erklärt, so dass auch der interessierte Laie nachvollziehen kann, welche Hauptinhaltsstoffe die einzelnen Öle so wertvoll machen, wie sie optimal einzusetzen und zu kombinieren sind und auf welche Eigenschaften ein besonderes Augenmerk gelegt werden muss. Es gibt Erläuterungen dazu, welche Öle für verschiedene Hauttypen zu mischen sinnvoll ist, welche Ölgruppen es gibt – innerhalb derer dann eine gewisse Austauschmöglichkeit gegeben ist. Die Autorin beschreibt, wie hoch die Lichtempfindlichkeit dieser Ölgruppen ist – was für die Verwendung in Tages- oder Nachtpflegeprodukten wichtig ist – und mit welchen Mengenanteilen gerechnet werden muss.
47 fette Öle, darunter so seltene wie z.B. Avellanaöl oder das jetzt erst bei einigen Herstellern in den Fokus geratene Sacha Inchi Öl, werden ausführlich vorgestellt. Es wird erklärt, woher die Pflanzen stammen, welche Inhaltsstoffe enthalten sind und welche Fettsäuremuster analysiert wurden. Auch auf die Gewinnung der Öle in Bezug auf Nachhaltigkeit, gerechtes Wirtschaften oder ökonomische Wirtschaftsweise wird aufmerksam gemacht. Nicht ganz nachvollziehbar allerdings ist, dass unter die alphabetische Auflistung der kompletten Pflanzenöle auch „Neutralöl“, eine be- und verarbeitete Mischung verschiedener Komponenten, sowie „Sqalan“, ein aus natürlichen Ölen gewonnenes Lipid, geraten sind. Beeindruckend bei der Aufführung der Öle und Wachse sind die unterschiedlichsten Recherchen und Nachfragen bei verschiedensten Institutionen, Universitäten und Wissenschaftlern. Sie zeigen, dass die Autorin keine nicht überprüften Textquellen übernehmen wollte, sondern von ihr selbst nachgefragt oder auch im Eigenversuch getestet wurde.
In einem ausführlichen Teil des Buches werden viele Heilpflanzen beschrieben. Es wird erklärt, welche Pflanzenteile Verwendung finden, welche Inhaltsstoffe sie enthalten und für welchen Hauttyp sie genutzt werden können. Zu den naturkosmetischen Rohstoffen zählen ja auch viele traditionell erstellte Pflanzenauszüge. Dazu gehören Hydrolate, Tinkturen, Mazerate, Pflanzenpulver, wässrige Auszüge als Tee oder Kaltwasserauszug. Es wird genau erklärt, wie man diese Spezialitäten selbst herstellen kann, wo die Pflanzen zu sammeln oder wie sie zu beziehen sind, wann es besser ist, Auszüge fertig zu kaufen und worauf beim Sammeln, beim Kauf, bei der Verarbeitung und bei der Aufbewahrung geachtet werden muss. Auch aufgeführt sind verschiedene Tonerden, sowohl in ihrer Zusammensetzung als auch was ihre Verwendungsmöglichkeiten angeht.
Für die ätherischen Öle sind im gesamten Buch nur eine Seite und eine Übersichtstabelle vorgesehen. Sie sind zwar teilweise bei den Heilpflanzen als mögliche Verwendungsform aufgeführt, doch fehlen wichtige Hinweise über die chemische Zusammensetzung und die Wirkweise der einzelnen Öle und deren Einsatzmöglichkeiten. Ein Hinweis auf sehr gute, vorhandene Fachliteratur ist aber in den Quellenangaben vorhanden.
Dagegen wird den verschiedenen feuchtigkeitsbindenden Substanzen, Emulgatoren, Gelbildnern, Konsistenzgebern, Tensiden, Lichtschutzpigmenten und Vitaminen jeweils ein extra Kapitel gewidmet. Hier muss sich jeder selbst die Frage beantworten, inwieweit er biotechnologisch oder biochemisch gewonnene oder veränderte Substanzen verwenden will. Im Anhang ist noch eine sehr übersichtliche Tabelle mit einzelnen Rohstoffen und Emulgatoren – teilweise Fertigprodukte mit Markennamen – sowie deren Dosierung und Verarbeitung zu finden.
Das Buch ist für alle von Nutzen, die sich genaue Kenntnisse über eine Vielzahl einzelner Rohstoffe erarbeiten möchten – sowohl für Selbstmischer, die sich ihre eigene Kosmetik zusammenrühren wollen, als auch für die Naturkosmetikerin, die für ihre Kunden eine Mischung selbst erstellen will. Aber auch die Nutzer fertiger Naturkosmetikprodukte, die es zahlreich auf dem Markt gibt, können sich mit Hilfe des Buches und anhand der Auflistung der Inhaltsstoffe auf der Verpackung (INCI-Liste) informieren, was genau in den von ihnen benutzten Produkten enthalten und verarbeitet ist.
Waltraud Kehl, Naturkosmetikerin